Mir sind jetzt zwei Kinder in Erinnerung gekommen.
Einmal war ich irgendwo zu Gast. Es gab dort viele Menschen, darunter Familien mit Kindern — Verwandte waren zu einer Feier zusammengekommen.
Da sitze ich also auf dem Teppich. Auf den Teppich krabbelt ein kleiner Knirps, rutscht an mich heran und küsst mich auf die Backe — innig und stark! Er überschüttete mich geradezu ganz mit Liebe! Mit solch herzlicher Liebe gab er den Kuss! Wenn ich nicht seine Biografie kannte, hätte ich gedacht, er hatte unsere Schule besucht. Denn ich hatte solche Kinder außerhalb unserer Schule nie erlebt.
Nun ein anderes Kind. Ich begegnete ihm mehrere Male auf der Straße in Petersburg. Er war wohl um die fünf. Sein Blick war voller Hass — unheimlich, durchdrungen von Hass gegen alles und gegen alle. Wobei dieser Blick und dieser diabolische innere Zustand für ihn stets charakteristisch waren.
Ich traf ihn das erste Mal, als er einem seiner Altersgenossen die Mütze vom Kopf riss. Unsere Blicke trafen sich, er überschüttete mich mit seinem Hass und lief fort.
Das zweite Mal sah ich ihn mit einem Messer jemandes Auto kratzen. Erneut trafen sich unsere Blicke, es war wieder derselbe Hass, und wieder lief er fort.
Nun also zwei Extreme.
Ich hörte einmal den Gedanken, dass alle Kinder kleine Engelchen seien, wir sollten wie Kinder werden usw. Wie welche Kinder?...
Als Jesus sprach: “Werdet wie die Kinder”, hatte Er eine konkrete Eigenschaft der besten Kinder im Sinn: die seelische Aufgeschlossenheit (dies wird verständlich nur aus dem Kontext und aus anderen — apokryphen — Evangelien). Er rief Seine Hörer dazu auf, ihre Seelen in gefühlsmäßiger Liebe voreinander zu “öffnen”, zu “entkleiden”. Denn diejenigen, die es nicht voreinander tun können, sind nicht dazu fähig, es vor Gott zu tun.
Jesus sprach von guten, herzlichen, aufrichtigen Kindern. Es gibt aber auch boshafte und gefühlsrohe Kinder, extrem egoistisch, lügenhaft, Kinder, die andere Menschen so ansehen, als wären sie gefangen genommene kleine Bestien.
Warum denn sind Kinder mitunter so verschieden?
Diese Frage wird bereits seit Jahrzehnten von der “westlichen” materialistischen Wissenschaft untersucht. Die Wissenschaftler nehmen, jeder nach seinem Arbeitsprofil, den einen oder anderen Faktor heraus, der die psychische Entwicklung des Kindes beeinflusst.
Die Genetiker sprachen von der Rolle der Gene: dass die Charakterzüge angeblich genau so vererbt werden wie die Farbe der Augen und Haare und andere Merkmale des Körpers.
Embryologen, Geburtshelfer und Perinatologen suchten die Ursachen im Einfluss von Hormonen, Stresserlebnissen der Mutter, einer fötalen Hypoxie, Geburtstraumata, verschiedenen Intoxikationen usw. auf die sich formenden Gehirnstrukturen des Fötus.
Psychologen und Psychiater stellten diverse soziale Faktoren in den Mittelpunkt, vor allem den Charakter der Beziehungen des Kindes zur Mutter in bestimmten “kritischen” Phasen seiner Entwicklung. Unter anderem wurde klar demonstriert — sowohl bei Forschungen an Kindern als auch bei Tierversuchen -, dass eine Beeinträchtigung der harmonischen Wechselbeziehungen mit der Mutter in bestimmtem Alter zur Ausprägung einer erhöhten Aggressivität in den folgenden Jahren führt. Zu Sozialisierungsstörungen führt auch das Ausbleiben eines angemessenen Kontaktes zu Gleichaltrigen in der Kindheit. [1]
Zur Bewertung des Gesagten sei angemerkt, dass alle diese Faktoren in der Tat eine Rolle spielen.
So können auch genetische Einflüsse wirken, etwa durch genetisch bedingte Besonderheiten der Entwicklung und Funktion des hypothalamo-hypophysär-adrenalen endokrinen Komplexes. Wenn dieses System die Fähigkeit hat, mehr Adrenalin und Noradrenalin zu produzieren und ins Blut abzusondern, dann erweisen sich solche Organismen als aktiver in üblichen und in extremen Situationen; dies kann auch eine Prädisposition (aber nicht Vorherbestimmung!) zu verstärkt aggressivem Charakter erzeugen.
Ohne Zweifel können auch verschiedene der Fötusentwicklung schadende Faktoren “Schieflagen” in der Entwicklung von Gehirnteilen oder inneren Sekretionsdrüsen hervorrufen, was sich auf die eine oder andere Weise auf die emotionalen Merkmale im erwachsenen Leben auswirkt. Verschiedene Gehirnstrukturen, die für verschiedene Funktionen verantwortlich sind, formen sich embryogenetisch zu verschiedener Zeit. Hierbei ist jede von ihnen gerade in diesen kritischen Perioden ihrer Herausbildung beim Fötus besonders anfällig für Schadfaktoren. Deshalb führt ein und derselbe Schadfaktor, der in verschiedenen Entwicklungszeiträumen auf den Fötus einwirkt, zu verschiedenen Verletzungen, die mitunter erst im erwachsenen Zustand des jeweiligen Individuums zum Vorschein kommen. [1]
Auch der soziale Faktor ist im frühen Alter tatsächlich von sehr großer Bedeutung. So treten bei einem Kind, der im Alter zwischen 6-7 Monaten und 3 Jahren den negativen emotionalen Stress im Zusammenhang mit der Trennung von der Mutter bzw. Ersatzmutter erlebt, dann im erwachsenen Leben in dem einen oder anderen Grad psychopathische Merkmale einschließlich erhöhter Aggressivität zu Tage. Erhebliche emotionale und behaviorale Abweichungen entstehen auch beim Ausbleiben eines angemessenen (d.h. unbefangenen und naturgemäßen) Kontaktes zu Gleichaltrigen in der Kindheit. [1]
Doch der wichtigste Grund, weshalb die Kinder bisweilen so verschieden sind, bleibt nach wie vor jenseits des Interessenkreises der materialistischen Wissenschaft. Er besteht darin, dass nicht nur die Körper verschieden sind, sondern auch die Seelen, die in diese Körper kamen. In diese Kindskörper sind denn auch Menschen gekommen, die früher schon “Erwachsene” waren — die meisten von ihnen bereits viele Male. Und sie brachten dabei die schon in ihrer Vorgeschichte entwickelten Charakterzüge und sonstigen Eigenschaften mit.
Das Gesagte bezieht sich nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Tiere. Gerade das erklärt, warum sowohl Tierversuche als auch Forschungen an Menschen zeigen, dass gleiche Schadeinwirkungen dennoch nicht zu gleichen Ergebnissen bei verschiedenen Individuen führen.
Stellen wir uns als Beispiel zwei Menschen vor. Der eine war in seinem vorherigen Leben bereits heilig, der andere hingegen ein Teufel. Ein gleichermaßen erhöhter Spiegel adrenaler Hormone in ihren gegenwärtigen Körpern ergibt bei ihnen jeweils einen gegenteiligen Effekt. Der Erstere wird sich noch intensiver dem spirituellen Dienen widmen, der andere indes wird sich mit gleicher Tatkraft mit Raub und Mord beschäftigen.
Bei allem Gesagten ist noch zu bedenken, dass die Inkarnierung in einen Körper, der die einen oder anderen Eigenschaften aufweist, durch Gott bestimmt wird. Deshalb kann es hier keine “unerfreulichen Zufälle” geben. Bei Gott wird alles so geplant und erfüllt, um dem sich inkarnierenden Wesen die besten Möglichkeiten zu weiterer Selbstvervollkommnung zu geben.
Sie werden fragen: Kann ein verkrüppelter und missgestalteter Körper denn wirklich irgend jemandem bei der Entwicklung helfen? Ich antworte: ja. Beispielsweise jemandem, der früher machtbetrunken war und andere hart misshandelte und ihre Körper verstümmelte: Für diesen Menschen ist es angebracht, jetzt selbst zu leiden, damit er lernt, was Schmerz und Leid ist, und dadurch lernt, mit anderen Mitleid zu haben.
Was nun die Inkarnierung moralischer Scheusale angeht, so brauchen wir hier auf der Erde auch und gerade Missetäter, damit für verschiedenartige Lebenssituationen gesorgt ist und damit wir so aneinander Psychologie lernen. Ihr Los ist eine weitere Degradierung — bis ganz auf den Grund — so lange, bis manche von ihnen dort, am Boden, am eigenen Leid zur Besinnung kommen und damit beginnen, nach einem Ausweg hin zum Licht zu suchen.
Und nun bleibt es uns, noch einen weiteren Faktor zu untersuchen, der sich auf die Entwicklung des Kindes auswirkt: die Erziehung. Gerade diese ist am relevantesten für eine Auswertung an spirituellen Schulen, an denen auch mit Kindern gearbeitet wird.
Ich erinnere mich, einmal folgende Szene beobachtet zu haben: Der Papa, ein anständig gekleideter, athletisch gebauter und anmaßend selbstsicherer Mann von 50 Jahren, war gerade dabei, seiner 10-jähigen Tochter “Lebensunterricht” zu erteilen. Sie standen in einer Parkallee, und der Papa, auf die vorübergehenden Menschen zeigend, “erläuterte” der Tochter, der und der sei ein Schurke, und der da sei irgendeine Kanaille. Das arme, aufmerksam zuhörende Mädchen dürfte die hassvollen “Lehren” ihres Vaters sicherlich jahrelang behalten haben. Erst im Alter von etwa 20 Jahren erlangen viele (doch bei weitem nicht alle) Menschen die Fähigkeit zur Neubewertung all dessen, was ihnen früher von Erwachsenen beigebracht wurde.
Mithilfe einer zielgerichteten Erziehung kann man einem Kind ganz wesentlich schaden oder helfen. Man kann ihm beibringen, alles um es herum zu verachten und zu hassen, oder aber umgekehrt, dass man alles Lebende lieben soll, dass Liebe und Harmonie gut sind, dass Gott von uns will, dass wir gerade so werden, usw.
Eine richtige Kindererziehung ist ein zentraler Faktor bei der spirituellen Unterstützung eines Menschen, eine lobenswerte und sehr interessante Art des spirituellen Dienens.
Es ist auch ein Weg, sich selbst in aktiver Liebe und intellektueller Kreativität zu entfalten.
* * *
Betrachten wir jetzt noch einmal die Grundprinzipien spiritueller Erziehung von Kindern.
Nach dem Hauptprinzip der aktiven Einprägung der Idee der Liebe (vor allem das will von uns Gott!) ist zunächst einmal die Ausweitung des Gesichtskreises hervorzuheben. Wir sollten im Gedächtnis der Kinder verschiedene Programme dafür begründen, welche Lebenswege sie in Zukunft, wenn sie herangewachsen sind, gehen können. Man muss ihnen zeigen, dass es auch das Schach gibt, die Tempel verschiedener Religionen, die Natur, die man lieben kann und sollte, Methoden der Körperabhärtung, Möglichkeiten einer Selbstentfaltung durch Malerei, Musik, Tanz, Fotografie und verschiedene (gerade verschiedene!) Sportarten, aber auch sehr interessante und vielfältige Bildungsmöglichkeiten, und dass man durch all das auch anderen Menschen dienlich sein und ihnen so die eigene Liebe schenken kann.
Erziehen kann man unter anderem auch am Beispiel der Handlungen erwachsener Menschen, wenn Kinder in einer ungezwungenen Situation zu Zeugen von Aktivitäten einer spirituellen Schule werden, wo ihre Eltern lernen. Eine andere Variante sind Fachzirkel und Arbeitsgemeinschaften für Kinder verschiedenen Alters.
Zugleich muss man daran denken, dass es Problemfragen gibt, die dem kindlichen Denken im Grunde noch nicht zugänglich sind. So sollen etwa Informationen über die Existenz nichtverkörperter Lebensformen ihnen in einer Form und in einem Umfang dargebracht werden, dass dies bei ihnen keine mystische Angst erzeugt. Mystische Angst kann zur Grundlage für ernsthafte entwicklungshemmende Psychopathologien werden.
Man darf den Kindern auch keine vertieften Meditationspraktiken lehren, damit sie sich nicht “verirren” und den angemessenen Kontakt zur materieller Ebene nicht verlieren. Es gilt zu bedenken, dass jeder Mensch sich zunächst in der materiellen Welt entwickeln soll; erst danach kann er erfolgreich und gefahrlos den ernsthaften religiösen Weg gehen.
Man muss die Kinder auch unbedingt vor den Versuchen verschiedener ignoranter Mystiker schützen, sie in den Umgang mit Wesen der Astralebene in Form von Spiritismus, Kontakt mit “Außerirdischen” usw. hineinzuziehen, ebenso vor einer Einbeziehung in hexerische, magische und okkultistische Experimente. Eine Beteiligung von Kindern und auch von Erwachsenen an derartigen Aktivitäten ist bei ihnen der gerade Weg in ernsthafte psychische Pathologien.
Sehr wichtig ist es auch, den Kindern das Denken zu lehren, indem man sie dazu in Situationen anregt wie etwa das Passieren eines Bachs im Wald oder wie man ein Lagerfeuer errichten kann, ohne auch nur einem Lebewesen zu schaden, usw. Oder man kann einem Kind in spielerischer Form verschiedene Erläuterungen für ein und dasselbe Ereignis oder Phänomen vorschlagen, damit es durch Erwägung die richtige davon wählt oder sogar selbst die richtige Lösung findet. Oder man stellt Kindern Fragen nach dem Warum, damit sie lernen, selbst nach Antworten zu suchen, anstatt diese in fertiger Form von Erwachsenen zu erhalten. Und so weiter.
Beim Umgang von Kindern untereinander in Gruppen sollte der Lehrer wohlwollend aber dezidiert allen Anzeichen lasterhafter Tendenzen wehren, darunter Aggressivität oder der Neigung zur Aneignung fremder Sachen, seien diese noch so geringwertig. Kinder behalten gut beispielsweise Formeln wie: “Jesus Christus lehrte, dass man einem anderen nicht tun darf, was du dir nicht selbst wünschst”, oder: “Wer ohne Erlaubnis fremdes Eigentum nimmt, nennt sich ein Dieb. Und ein Dieb ist ein sehr unguter Mensch”, oder: “In einem sehr guten Buch — es heißt ’Das Neue Testament’ — steht geschrieben: Seid bruderliebend zueinander mit Herzlichkeit. Ist das, was du jetzt getan hast, etwa der Herzlichkeit ähnlich?” Usw.
Eine enorme erzieherische Rolle können auch einige einfache Meditationsübungen spielen. Zum Beispiel: Jeder stellt sich eine liebevolle Sonne in seiner Brust vor, und alle laufen umher und strahlen das visualisierte Sonnenlicht zueinander aus.
* * *
Wenn ein Kind gelegentlich keinen Appetit hat, reden die Eltern ihm gut zu: „Iss doch noch ein Löffelchen für Mama, jetzt für Papa, und noch eines für Oma...
Haben Sie vielleicht schon einmal darüber nachgedacht, was dieses “Für” hier bedeutet?
Iss doch “für” irgend jemand, trink doch “für” jemand...
Was bedeutet dieses “Für”, das Menschen so oft wiederholen, ohne zu überlegen?
“Für die Gesundheit”? Aber wie kann sich irgendjemandes Gesundheit ändern, wenn ein ganz anderer Mensch etwas isst oder trinkt?
“Zu Ehren”? Das sieht aber, wenn man richtig überlegt, noch absurder aus.
“An Stelle von”? Auch albern.
... Ich möchte jetzt mal scherzenshalber eine andere Formel vorschlagen, wie man Kinder bei schlechtem Appetit herumkriegen kann. Erzählen Sie dem Kind zunächst, dass Gott “sooo groß” ist! Größer als die ganze Erde und der ganze Sternenhimmel, den wir von der Erde aus beobachten. Und auch wir sollten versuchen, genauso groß zu werden. So will Er es.
Und wie ist Er so groß geworden? Das geschah deshalb, weil er sooo viel aß...
LITERATUR
- Antonow W.W. — Wie erkennt man Gott. Die Autobiografie eines über Gott forschenden Wissenschaftlers. (In Russisch). Polus Verlag, SPB, 1999.
Die inzwischen vorliegende Erfahrung über vielfältige Formen des Unterrichts psychischer Selbstregulierung an Kinder und Jugendliche gestattet es, folgende Empfehlungen zu formulieren:
1. Eine gezielte ethische Arbeit sollte unbedingt von einem Lehrer mithilfe des Unterrichts psychischer Selbstregulierung geführt werden und bei den Lernenden eine moralische Grundlage schaffen.
2. Denkbar sind sowohl separate Kinder- und Jugendgruppen als auch Gemeinschaftsgruppen mit Beteiligung der Eltern. Im letzteren Fall wird das Programm auf die Jüngeren ausgelegt, aber die Eltern nehmen bereitwillig am Unterricht teil. Ein Vorteil der zweiten Arbeitsvariante ist das Aufkommen gemeinsamer Interessen in der Familie und so die Verhinderung einer Entfremdung.
3. Ohne ausdrückliche medizinische Anzeige ist bei Kindern und Jugendlichen dringend abzuraten von Übungen an reflexbildenden Zonen der Emotions- und Willenssphäre (mit Ausnahme einfachster Übungen am Anahata-Chakra). Dies liegt daran, dass die Übungen nicht mit der Einnahme von Alkohol während und nach dem Lehrgang vereinbar sind — wobei man sich nicht darauf verlassen kann, dass die jetzt teilnehmenden Kinder und Jugendlichen diese Regel auch in den Folgejahren einhalten werden.
4. Der Schwerpunkt der Arbeit sollte nicht auf hohe Resultate gelegt werden, sondern vielmehr auf Horizonterweiterung und umfassendes Informieren der Lernenden, um ihnen bei der Wahl des Lebensweges im Erwachsenenalter zu helfen. Bereichern Sie den Unterricht durch Ästhetik und Sport. Als Ergänzung denkbar sind auch Choreographie, Musik, Fotografie, Malerei, Touristik, körperliche Abhärtung, Ökologie, Literaturwissenschaft oder Philosophie — je nach Kompetenz des Lehrers. Oder man kann auch — auf der anderen Seite — den Unterricht der verschiedenen Themengruppen durch Elemente der psychischen Selbstregulierung bereichern.
5. Die Savasana-Übung sollte einem Kind unter 12 Jahren nicht gelehrt werden. (Ausnahmen von dieser Regel sind nur nach ärztlicher Anzeige zulässig; die Seancen sollen dann von einem Facharzt durchgeführt werden. Der Grund liegt darin, dass manche Kinder nur schwer tiefe Entspannungszustände wieder verlassen).
6. Denkbar sind Übungen an reflexbildenden Zonen der Emotions- und Willenssphäre sowie ähnliche Methoden, die bei der medizinischen Behandlung einiger neurologischer und psychischer Kinderkrankheiten zum Einsatz kommen. Besonders wirksam ist diese Methodik in Korrelation mit Sozialisierungsstörungen.
7. Am leichtesten ist es für Kinder und Jugendliche, Übungen mit bildlichen Darstellungen zu meistern. Für gewöhnlich schwerer fällt ihnen das Beherrschen der Konzentration. Dabei ist gerade das Erlernen der Konzentration besonders wichtig für ihre Schulleistungen. Sehr hilfreich in dieser Hinsicht ist es, „tötungsgebundene“ Nahrungsmittel (d.h. solche aus Körpern getöteter Tiere) aus ihrer Diät auszuschließen und gleichzeitig den Prozentanteil von Eiweiß aus Milch und Eiern zu erhöhen. Diese Empfehlung ist nützlich in jeder Hinsicht und für alle Menschen ohne Ausnahme.
8. Interessante positive Ergebnisse bringt die Anwesenheit (nicht aber gleichberechtigte Teilnahme) von Kindern am Ausflugsunterricht von Gruppen, in denen ihre Eltern lernen. Bei einer unaufdringlichen Herangehensweise schaltet sich bei Kindern ein wichtiger Lernmechanismus ein: die Nachahmung. Sie lernen, mit der Natur und allen Lebenserscheinungen behutsam umzugehen, gewöhnen sich daran, in einem Zelt zu leben, Lagerfeuer zu errichten und Speisen darauf zuzubereiten, erwerben mehr Disziplin (Aufstehen am frühen Morgen, Gymnastik, Morgenbad usw.), lernen die Schönheit der Natur zu sehen und sich auf sie einzustimmen. Sie eignen sie auch leicht die Abhärtungsprozeduren an und bestehen später beispielsweise selbst darauf, zusammen mit Erwachsenen an den “Frierbädern” teilzunehmen [1].
Zur Anwendung von “Frierbädern” [2] bei Kindern sei Folgendes angemerkt: Diese Abhärtungsmethode erlaubt es, den tolerierbaren Temperaturbereich des wachsenden Organismus fürs ganze Leben zu erweitern und ihn abzuhärten. Ihr Einsatz muss aber unbedingt unter folgenden Bedingungen stattfinden:
a) volle Freiwilligkeit aufseiten des Kindes, die auch jegliche Überredung ausschließt: Das Kind weiß besser als alle anderen, wann sein Körper dazu bereit ist;
b) günstige emotionale Einstellung aller beteiligten Erwachsenen;
c) nicht zulässig sind Versuche des Frierbad-Heilens (Gleiches gilt für das Begießen mit kaltem Wasser) bei Kindern, die durch langwierige Krankheiten geschwächt sind. “Frierbäder” als ein Heilverfahren sind wirksam bei der Therapie einiger örtlich begrenzter Krankheitsprozesse bei denjenigen Kindern, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt insgesamt “vor Gesundheit strotzen”. Der heilende Mechanismus ist hierbei der bioenergetische Stress als Reaktion auf den “Kälteschlag”. Einem durch langwierige Krankheit geschwächten Organismus fehlt aber jenes energetische Potenzial, das den geschilderten Energieprozess in Gang setzt. In solchen Fällen erweisen sich, umgekehrt, Heiß- und Dampfbäder oder die Sauna als wirksam.
LITERATUR
- Antonow W.W. — Spirituelle Praktiken. (Lehrhilfe). Polus Verlag, SPB, 1998.
- Antonow W.W. — Ökologie des Menschen im multidimensionalen Raum. (In Russisch). Polus Verlag, SPB, 2000.
Von den allgemeinsten hygienischen Empfehlungen können wir (für alle Altersgruppen!) folgende geben:
1. Nach Möglichkeit den ganzen Körper jeden Tag mit Seife waschen, besser morgens.
2. Früh aufstehen und früh schlafen gehen.
3. Keine synthetische Kleidung unmittelbar am Körper tragen.
4. Die Haut am ganzen Körper von Sonnenlicht bestrahlen lassen: Es bringt Gesundheit, welche absolut notwendig ist. Im Winter sollte man sich ebenfalls „sonnen“, und zwar unter Quarzlampen, besonders bei Unpässlichkeiten und hier speziell bei Erkältungen.
5. „Tötungsgebundene“ Nahrungsmittel [1] maximal reduzieren oder ganz vom Speisezettel streichen. Dadurch wird man nicht nur wesentlich gesünder; man wird auch empfänglicher für subtile Erscheinungsformen der Umwelt, und man sieht dann auch in den Augen Gottes, der das Gebot “Du sollst nicht töten!” gegeben hat, besser aus. Man darf hier aber Kindern gegenüber keinerlei Zwang anwenden: Jede Nötigung wird in solchen Dingen nur umgekehrte (u.a. heimliche) Handlungen hervorrufen. Am besten erzieht man Kinder am eigenen Beispiel.
LITERATUR
- Antonow W.W. — Ökologie des Menschen im multidimensionalen Raum. (In Russisch). Polus Verlag, SPB, 2000.
Es ist gut, den Unterricht jedes Mal mit einer emotionalen Einstimmung und energetischen Reinigung des umgebenden Raums zu beginnen. Hierzu gibt es ein ausgezeichnetes Verfahren, das wir einleitende Meditation nennen. Man geht dabei folgendermaßen vor:
Man nimmt zunächst am besten die so genannte “Schülerstellung” ein: Wir setzen uns mit geradem Rücken auf die Fersen, Fußspitzen nach hinten, Handflächen an die Hüften. Wir senden nun Wellen unseres Wohlwollens und unserer Liebe aus dem Brustkasten nach vorn in den Weltraum mit der Formel:
“Mögen alle Wesen friedlich sein! Mögen alle Wesen ruhig sein! Mögen alle Wesen glücklich sein!”.
Jeden dieser drei Zustände erzeugen wir zunächst in unserem Brustkasten und strahlen ihn dann nach vorn aus. Danach wiederholen wir alles nach rechts, nach hinten, nach links, nach oben und nach unten. Es ist eine kraftvolle Methode, um sowohl sich selbst als auch die Energien des umgebenden Raums und der darin verbleibenden Wesen zu harmonisieren; sie legt auch den Grundstein für die Entfaltung des spirituellen Herzens.
Das Beherrschen der Entspannung (Ruhe von Körper und Geist) ist notwendig sowohl für die Fähigkeit sich schnell auszuruhen, als auch für die Kontrolle der eigenen Emotionen (man kann dadurch recht einfach negative Emotionen und Stress loswerden), und wir können überhaupt alles viel erfolgreicher tun im Zustand innerer Ruhe. Erinnert sei hier an eine bekannte Äußerung des chinesischen Weisen Lao Tse zu diesem Thema: “Ruhe ist das Wichtigste in der Bewegung” [1].
Zum raschen Erlernen der Ruhe dienen eigens ausgearbeitete Körperstellungen (Asanas).
Die erste von ihnen heißt "halbe Schildkröte”. Setzen Sie sich auf die Fersen (Fußspitzen nach hinten) und rücken die Knie auseinander. Legen Sie die Stirn auf den Boden und strecken die Arme mit zusammengelegten Handflächen auf dem Boden vor. Entspannen Sie vollständig Ihren Körper und Geist. Beobachten Sie, wie mit tiefer werdenden Entspannung der Bauch mehr und mehr durchhängt. Es ist eine ausgezeichnete Übung, um körperliche und geistige Ermüdung zu beseitigen. Man führe sie etwa 10 Minuten lang durch.
Die zweite Asana ist das “Krokodil”. Diese Stellung hat zwei mögliche Varianten:
Legen Sie sich auf den Bauch. Stellen Sie die Ellbogen vorn und rücken diese etwas weiter vor, den Kopf legen Sie mit dem Kinn auf die Handflächen.
Zweite Variante: die Ellbogen nach vorn geschoben, die Unterarme liegen übereinander auf dem Boden, Kopf und Oberkörper sind angehoben und werden durch die statische Anspannung der Rückenmuskel gehalten.
In beiden Fällen fühlen Sie sich als glückliche kleine Krokodilchen, die zu sommerlicher Zeit aus dem Wasser gestiegen sind und sich nach dem Baden auf einer Sandbank niedergelassen haben, um sich ein wenig in der lieben Sonne zu wärmen. Die Sonne wärmt Ihren Rücken — und Sie zerfließen in der Glückseligkeit ihrer den Körper durchtränkenden zärtlichen Wärme.
LITERATUR
1. Antonow W.W. — Gott spricht. (Religionshandbuch). Polus Verlag, SPB, 1998.
Psychophysische Übungen nennen sich so, weil ihre psychische Komponente sich mit physischer Bewegung überlagert, wobei die Letztere bei der Meisterung der Ersteren hilft. Die Idee dieser Übungen wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Peter Donov in den Grundzügen ausgearbeitet und von Omram Michael Aivanhov und später von uns fortgeführt.
Die erste dieser Übungen heißt “Das Erwachen”. Der Mensch wacht auf nach einem langen Schlaf der Selbstisolierung von der Harmonie, Schönheit und Liebe zur äußeren Welt. (Im Stehen heben wir die Arme hoch und recken uns wie nach dem Schlaf.) Wir lassen alles Reine, Helle und Lebenswichtige, was außerhalb von uns ist, in uns herein. Wir spüren, wie sich oben ein ganzer Wasserfall erstaunlich klarer, heller und feiner Emotionen der Morgenfrische ergießt. Wir füllen uns mit morgendlicher Frische! Wir füllen uns mit diesen Wellen, wir überfüllen uns mit ihnen! (Die Hände sinken auf die Schultern herab und helfen bei dieser Anfüllung, dann werden sie erneut erhoben und heruntergelassen, und so mehrere Male.) Wir erreichen so einen maximal hohen und feinen Gefühlszustand!
Zweite Übung: “Das Geben”. Die Arme gehen auseinander mit breiter Geste von der Brust nach vorn und an die Seiten: Das, was wir erhalten haben, sollen wir anderen Menschen geben — der Maßstab der Spiritualität eines Menschen ist dessen Fähigkeit zu geben! Auch muss man, um ein Gefäß mit frischem sauberem Wasser zu füllen, dieses zuerst leeren. Abgestandenes Wasser verfault. Wer sich selbst nicht leert, indem er gibt, was er hat, der erneuert sich nicht, wächst selbst nicht spirituell. Wiederholen Sie die Übung immer wieder und gießen dabei alles Gute, was wir selbst angehäuft haben, freigebig und umsonst aus, ohne sich eine Belohnung zu wünschen! Senden Sie weit nach vorn feinste und starke Wellen Ihrer hervorströmenden frischen und reinen Liebe! Spüren Sie, wie die Brust sich aufbläht durch die von hinten aufsteigende dichte Energie der Liebe! Im Brustkasten öffnet sich jetzt eine Blume, die einen zarten Wohlgeruch verbreitet. Senden Sie diese hellen Schwingungen vorwärts. Es ist der Duft der Liebe selbst!
Dritte Übung: “Die Versöhnung”. Halten Sie den rechten Arm über dem Kopf, konzentrieren Sie sich auf die Handfläche und den sie unmittelbar umgebenden Raum. Lassen Sie die Hand gleitend vor sich herab und zeichnen mit ihr im Raum eine Sinusoide mit einer Halbperiode von ca. 30 cm. Die Hand richten Sie hochkant nach vorn im Verlauf ihrer Bewegung. Fühlen Sie den Raum, in dem sich die Hand bewegt, wie eine Art Energiefeld, dem Sie eine neue Beschreibung geben: Frieden, Harmonie, Ruhe. “Verlängern” Sie den Arm in die Ferne. (Stellen Sie sich verschiede Varianten der Tanzbewegung vor: heftig, ruckartig, linkisch oder aber umgekehrt: weich, gleitend, elegant. Jede dieser Tanzarten stimmt in entsprechender Weise den Betrachter und den Ausübenden ein.) Diese einfache und kraftvolle, die Harmonie versinnbildlichende Geste wird, sobald die Übung gemeistert ist (man muss sie gut und tief empfinden!), jedem in beliebiger Situation effektiv helfen, auch wenn sie ohne begleitende Körperbewegungen ausgeführt wird.
Vierte Übung: “Das Klettern”. Heben Sie die Arme hoch mit den Handflächen nach außen und senken Sie sie jetzt ein Mal nach dem anderen über die Seiten und machen dabei Paddelbewegungen. Mit jeder solcher Bewegung schlüpfen sie gleichsam aus einer weiteren groben Umhüllung und werden immer heller, reiner. Sie steigen immer höher und immer näher zur Quelle des Lichts — der Sonne... Sie ist jetzt schon nahe, nur noch einige Paddelbewegungen — und Sie haben sie erreicht... Sie schweben hinein in einen Raum des reinsten und subtilsten Lichtes, genießen Ihr Verweilen darin... Sie steigen jetzt wieder zur Erde hinab, aber jetzt bereits mit der Sonne in Ihrer Brust. Nun sind Sie wieder unten... Und Sie leuchten auf alle Menschen und auf alles Lebende mit dem Sonnenlicht in Ihrer Brust!
Diese Übungen kann man genau so ausführen wie sie hier beschrieben sind, und sie werden einen enormen Nutzen bringen, unter anderem dabei, die bioenergetischen Strukturen des Organismus zu reinigen und diesen von Krankheiten zu befreien.
Man kann aber auch die religiöse Komponente hinzufügen: Sie lassen uns dann bald verstehen, dass das “Licht”, mit dem wir während der Übungen zusammenwirken, das Licht des Heiligen Geistes ist. Alle würdigen Schüler beginnen es real zu empfinden — je nach ihrer ethischen und bioenergetischen Reinheit. Von nun an wird Gott real erkennbar in einer von Seinen Erscheinungsformen, und er kann von nun an zu einem ständigen Begleiter und Lebenden Lehrer fürs ganze Leben werden.
Bereits diese einfachsten Übungen können für so manchen zum Beginn eines tiefen und ernsthaft religiösen Lebens werden.
Dies ist die Anfangsgrundlage. In der konkreten Unterrichtspraxis mit Kindern können aber die verschiedenartigsten “Partialtöne” und Improvisationen angewandt werden, je nach der Individualität sowohl der lernenden Kinder wie der Lehrer.
Als Ausgangsmaterial für die Ausarbeitung unseres Unterrichtsprogramms dienten frühere Veröffentlichungen von W.W.Antonow, und wir stützten uns auch auf eigene Lehrerfahrungen mit dem von ihm entwickelten System psychischer Selbstregulierung, auf Erfahrung als Kindergartenlehrer sowie auf unsere langgehegte Liebe zum Tanz und zur Poesie. Verwendet wurden auch die im Literaturverzeichnis angeführten Handbücher.
Der unten dargelegte Unterrichtskurs ist für drei Monate ausgelegt. Zu einer Gruppe gehören Kinder zwischen 5 und 10 Jahren (12 bis 15 Personen), ihre Mütter und junge Großmütter sowie auch “Helferinnen” — Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren. Der Unterricht findet einmal wöchentlich in der Sporthalle der Schule statt. Jeder Unterricht dauert nicht weniger als 2 Stunden.
Eine Lehrstunde folgt diesem Schema:
1. Einführungsteil (einleitende Meditation).
2. Hauptteil:
a) Aufwärmen,
b) psychophysische Übungen,
c) “spontaner” Tanz,
d) Meditationsspiele,
e) Körperübungen (Asanas des Hatha-Yoga usw.),
f) Bewegungsspiele und Laufen (in der Halle und im Park),
g) Entspannungsteil.
3. Abschließender Teil:
a) Filmvorführungen mit musikalischer Begleitung,
b) Hören von Musik,
c) Fabeln,
d) Malen (Zeichnen),
e) Rollenspiele (Inszenieren von Märchen, Situationen u.dgl.), Bewegungsspiele,
f) Gespräche mit Eltern, abschließende Meditationen und sonstige.
Nicht jeder Einzelunterricht schließt alle Punkte ein.
Das Hauptziel des Unterrichts ist es, bei den Kindern Liebe zu entfalten — die Liebe zu den Eltern, zu Freunden, zur Natur und zum allen Lebenden. Darauf sind auch die Gespräche mit Eltern ausgerichtet.
Einleitende Meditation. Diese Übung unter Anwünschung der Freude und der Liebe zu allem Lebenden und unter Visualisierung einer zärtlichen Sonne in der eigenen Brust, welche mit ihren armförmigen Strahlen alles Angetroffene streichelt, haben wir durch eine weitere Übung ergänzt — das “Ausgießen aus dem Kännchen”. Hierbei beugen alle im Fersensitz ihren Kopf langsam zum Boden und “gießen” aus ihrem Kopf all das aus, was es dort jetzt nicht geben soll (u.a. Sorgen und Gedanken von Erwachsenen an Zuhause und Arbeit). Die Vorstellung des eigenen Kopfes als bemaltes Kännchen mit Handgriffen, aus dem wir schmutziges Wasser ausgießen, um es mit sauberem zu füllen, gefällt sowohl Kindern wie Erwachsenen.
Der Einführungsteil des Unterrichts harmonisiert die Gruppe. Für manche Kinder und Erwachsene ist er auch zuhause zu einer Form der positiven emotionalen Einstimmung geworden.
Im Unterricht wird es zur Tradition, kleine Strahlen der Sonnenliebe an die jeweils abwesenden Gruppenmitglieder zu senden.
Der Hauptteil des Unterrichts schließt häufige Wechselfolgen von Bewegung und Ruhe ein. Dies ist die am besten geeignete Form des Unterrichts mit Kindern. Hierzu gehören unter anderem kurze Entspannungsübungen, während denen alle “mit dem Bäuchlein atmen” wie kleine Kätzchen, die sich zusammengerollt haben und schnurren, oder wie kleine Häschen, die versuchen, nach dem Laufen zu verschnaufen. Fast alle Kinder und Erwachsenen schließen sich meist aktiv dem Spiel an und versetzen sich in die Tierchengestalten hinein. Wenn aber manche hyperaktive Kinder zu den Sportgeräten weglaufen wollen (die sie sehr anziehen), dann lösen wir dieses Problem so, dass wir solchen Kindern im Weiteren führende Rollen anvertrauen.
Bei Entspannungsübungen werden die Kinder auf keinen Fall dazu angehalten, lange in statischen Stellungen oder mit geschlossenen Augen zu verharren. Es ist wichtig anzumerken, dass bei diesen Übungen die meisten Kinder neben ihrer Mutter, Großmutter oder einer Mädchenhelferin bleiben, was die Übung wesentlich erleichtert. Der Kontakt mit einem nahe stehenden älteren Menschen ist für das Kind ein enormer emotionaler Faktor, der vielen Kindern fehlt.
Sehr oft trösten wir ein Kind nach einem Sturz, Prellung oder Zusammenstoß, indem wir es gemeinsame umarmen und streicheln. Diese besondere “Übung” wird zu den beliebtesten. Sie entwickelt bei den Kindern Herzlichkeit, Mitgefühl, Zärtlichkeit und gegenseitige Aufmerksamkeit und erweist sich so als ausgezeichnetes Mittel der ethischen und emotionalen Entwicklung, ein Mittel der Sozialisierung.
Aufwärmen. Zum Aufwärmen dienen Laufübungen, Bewegungs- und Meditationsspiele sowie dynamische Hatha-Yoga-Übungen.
Psychophysische Übungen. Diese stellen eine Kombination von körperlicher Bewegung und Autosuggestion dar. Sie wurden bei unserer Arbeit eigens für den Kinderunterricht modifiziert, zum Beispiel durch folgende Textergänzungen:
Das kleine Körnchen keimt, es wächst ein jungen Pflänzchen, die Knospe öffnet sich allmählich, die Blume reckt sich zur lieben Sonne hin...;
Oder: Das Vögelchen arbeitet sich aus der Schale heraus, breitet seine Flügelchen aus, kommt ganz in das Licht der lieben Sonne!..;
Oder: Wir — Blümchen — baden im Sonnenlicht und füllen uns damit, um es dann als Wohlgeruch und Nektar an Bienchen und Schmetterlinge abzugeben.
“Spontaner” Tanz. Psychophysische Übungen können auf natürliche Weise in einen “spontanen” Tanz überleiten — freie und harmonische (und bei Kindern auch ausgelassene) Körperbewegungen, diktiert durch Musik oder Visualisierung. Der “spontane” Tanz fördert eine Verbesserung des emotionalen und körperlichen Zustands, beseitigt Verschlossenheit, baut Müdigkeit bei Kindern und Erwachsenen ab. Die beliebte Meditation der Kinder beim “spontanen” Tanz ist die Vorstellung, man sei ein über einer kleinen Wiese flatternder Schmetterling, eine zarte Wolke, ein Luftballon, eine duftende Blume, eine “tanzende” Wasserpflanze, umherfliegende helle Herbstblätter oder Schneeflöckchen usw.
Meditationsspiele. Sie fördern vor allem die Entfaltung der Fähigkeit zu bildhaftem Denken. Dabei erfolgt die ethische und ästhetische Erziehung auf natürliche Weise, ohne Zwang, in spielerischer Form. Die Kinder stellen sich selbst vor in irgendeiner Rolle (kleines Tierchen, Blume usw.), fühlen sich in dieses Bildnis hinein und bringen in der Bewegung ihre Emotionen frei zum Ausdruck. Die Themen der Meditationsspiele können dem Alltagsleben der Kinder oder Märchengeschichten entnommen werden, oder sie können selbst erdacht werden in Übereinstimmung mit dem Alter der Kinder. Beispiele: eine Wiesenblume mit Bienchen, Hummeln und Schmetterlingen erwacht zum Leben, Spielsachen im Kinderzimmer werden lebendig etc. Mögliche Themen der Meditationsspiele: “Wie die liebe Sonne aufging” [6], “Wie ein Mädchen im Wald umherging und Beeren pflückte und dabei verschiedenen Tierchen begegnete”, “Wie ich ein Körnchen pflanze, das Pflänzchen pflege — und eine Blume ist erblüht”, “Wie ein Welpe wuchs, was er lernte, was er schon weiß und tun kann”, “Was geschah mit den Äffchen, die aus dem Zoo in den Wald fortliefen” u.a.
Asanas des Hatha-Yoga werden in das Programm aufgenommen als Bestandteil der Aufwärmübungen sowie Meditations- und Bewegungsspiele, überwiegend in der dynamischen Variante, d.h. ohne langes Verharren in einer Stellung. Statische Varianten fallen jüngeren Kindern schwer.
Bewegungsspiele. Diese setzen eine aktive Zusammenarbeit aller Teilnehmer voraus, wo jeder seine Rolle spielt. Sie sind zum Unterschied von Meditationsspielen auf aktive Bewegung orientiert, auf ein Training in Reaktionsvermögen, Aufmerksamkeit und Schnelligkeit, sowie auf Bewegungskoordination. Hierzu gehören können Fangspiele und andere. Sie werden kombiniert mit Laufübungen und erfreuen sich bei Kindern großer Beliebtheit. Zu nennen wären noch folgende Spiele: das Flugzeug (Abheben, Aufflug, wir fliegen schnell hoch in den Wolken, Landung), der Zug (nach analogem Muster: Zug fährt an, gewinnt an Geschwindigkeit, jetzt ein Tunnel, eine Station usw.) [9-11]. Oder Varianten der Laufmeditation: Wir sind angelaufen und eine leichte Brise holt uns ein, dann richtiger Wind, dann Sturmwind; ein Regenschauer hat begonnen; Pferdelauf — frei oder im Gespann, mit Hürden; Karussell — wir bilden einen Kreis, halten uns an einem dicken Seil fest, drehen das “Karussell” langsam oder schneller, halten es an, wechseln die Richtung. Laufen und Bewegungsspiele sind bei Kindern sehr beliebt. Sie sind für Kinder ein Bedürfnis und ein Mittel der Unterhaltung.
Beliebte Übungen der Kinder sind auch: Nachahmung von Tieren durch Körperstellung [6-7], etwa Katze, Hund, Tiger, Löwe (Strecken der Pfoten, Durchbiegen des Rückgrats, oder z.B.: “die Katze trinkt Milch”, “die Katze schaut auf ihr Schwänzchen', “die Katze verfolgt das Mäuschen” usw.). Oder: Bewegungen im Hocken (Imitation der Gangart von Enten oder Gänsen). Oder: hüpfender Spatz, umherstolzierender Hahn, langsam und würdevoll umhergehender Storch usw. Oder: Kälber, Fohlen tollen umher, hüpfen auf allen Vieren. Oder: umherspringende Frösche, Häschen. Oder: fliegender Schmetterling (die Arme stellen Flügel dar). Oder: ein Würmchen, kleine Schlangen, ein Krokodilchen — wir kriechen auf dem Bauch am Boden umher, heben und wenden den Kopf.
Bewegungsspiele können mit Atemübungen kombiniert werden. Zum Beispiel: “Wir sind ein sanftes Lüftchen, ein Wind, ein Wirbelsturm” und blasen laut wie der Wind. Oder: Wir pumpen einen Ball auf. Oder: Wir atmen nach dem Laufen, in der Entspannung, laut mit dem Bauch ein, wie es junge Tiere in der Höhle ihrer Mutter tun. Oder: lautes Nachahmen von Tierstimmen: Miauen, Bellen, Tigergebrüll, Blöken, Meckern, Schnurren, Krächzen, Gurren, Zischen, Brummen, Quaken, Schnattern u.dgl. Oder: “Ich bin eine Flöte” [3] — wir drücken auf „Körperteil-Tasten“ und geben verschiedene Töne von uns: Bäuchlein — aaah, Herzlein — iaaah, Hals — määh, Stirn — ieeh... usw.; die Kinder haben zunächst Angst, die Töne laut hervorzubringen, gewöhnen sich aber später daran und spielen mit größerem Vergnügen; ihnen gefällt besonders die “Herz-Taste”.
Entspannungsteil — Entspannen von Körper und Geist. Wir wenden die Entspannung zur Erholung nach dynamischen Übungen an, aber auch um der Entspannungsfähigkeit selbst willen.
Für kleine Kinder ist ein Entspannungstraining in Paaren günstig [8]. Dabei stellt das eine Kind etwa eine — Lumpenpuppe dar, das andere hebt und senkt leicht seine Arme und Beine, bewegt den Kopf. Zweite Variante — das “Karrenspiel”: Das eine Kind liegt auf dem Rücken auf sauberem Boden, das andere fährt seinen Kameraden an den Beinen durch den Saal. Denkbar sind auch eine “Tiger-Entspannung ” [7], der “Krokodil-Atem” usw.
Bei der abschließenden Entspannung nutzen wir Entspannungselemente des Autogenen Trainings von Schultz (“schwere, warme Beine...” usw.); dies aber ist eher für ältere Schüler geeignet. In den meisten Fällen wird die abschließende Entspannung von Musik oder einer Visualisierung von Naturbildern begleitet. Zu empfehlen sind auch Gedichte und “Entspannungs-Märchen” (“Katzenmärchen” oder “wie die Puppe einschlief”; siehe [6]).
Fabeln mit ethischer Ausrichtung. Sie werden gelesen vom Lehrer oder aber von Mädchenhelferinnen, während der Lehrer sich mit den Eltern unterhält.
Malen (Zeichnen). Geeignete Malthemen sind etwa Märchenmotive, freimütiges Äußern von Unterrichtseindrücken u.a. Auch können die Kinder ein Gemeinschaftsbild auf einem großen Papierblatt malen. Zum Beispiel: einem großen Mutterfisch malen sie kleine Fischchen dazu.
Festmahl. Zu festlichen Anlässen richten wir am Ende des Unterrichts ein “Festmahl” ein. Wir bereiten dazu einen “Zaubertisch” vor mit verschiedenen Leckerbissen der laktovegetarischen Diät: Nüssen, Trocken- und Frischobst u.a. Zunächst stimmen sich alle auf Dankbarkeit ein gegenüber denjenigen, die diese Früchte angebaut und die Bewirtung bereitet haben. Dann erst beginnen wir mit der Mahlzeit. Unser Erfahrung zeigt, dass beim ersten Mal die Kinder sich zügellos auf das Essen stürzen; erst nach der Ermahnung bieten sie es auch ihren Müttern und allen anderen an. Dies zeigt, wie notwendig es ist, die Kinder zu einem aufmerksamen und nichtegoistischen Umgang mit ihrem Umfeld zu erziehen, nicht zuletzt bei solchen “Festmahlen”.
Rollenspiele — es sind jene, die eine positive Persönlichkeitsbildung begünstigen, aber auch die Entfaltung guter sozialer Beziehungen durch spielerisches Einüben gesellschaftlicher Rollen. Bei unserer Kinderarbeit werden die sozialen Bindungen auf Wechselbeziehungen mit Gleichaltringen ausgedehnt, aber auch mit Erwachsenen einschließlich der Eltern.
Eines der Lieblingsspiele unserer Kinder ist das “Blindenführen”. Gespielt wird in Paaren: Das eine Kind hat gebundene Augen und wird von dem anderen geleitet [8]. Es spielen gleichzeitig mehrere Paare. Sie bewegen sich, indem sie Hindernisse umgehen und versuchen nicht zusammenzustoßen. Dieses Spiel entwickelt Vertrauen, Mitgefühl, Verantwortung füreinander und die Fähigkeit, den anderen zu verstehen.
Zur Entfaltung von Achtsamkeit und Altruismus nutzen wir auch das Spiel “Wir fangen fallende Blätter”. Dazu schneiden wir aus Papier “Blätter” aus und verstreuen diese von oben her. Die Kinder sollen sie im Flug fangen. Bei diesem Spiel zeigen sich die Kinder anfangs sehr egoistisch: Kaum eines ist willens, seine eingefangenen “Blätter” an denjenigen abzugeben, der nur wenige fangen konnte.
Zu den meistbeliebten Spielen gehörte das Vorschulspiel “Die Drossel”. Der einfache Text wird begleitet von Berührungen und endet mit einer Umarmung: “Ich bin eine Drossel und du bist eine Drossel, ich habe eine Nase und du hast eine Nase (jeder zeigt zuerst auf seine Nase, dann auf die des Partners), ich habe glatte und du hast glatte (gezeigt wird auf die Wangen), ich habe süße und du hast süße (gezeigt wird auf die Lippen), ich bin dein Freund und du bist mein Freund. Wir lieben einander!” Bei den Worten “wir lieben einander” umarmen sich alle. Dann wechseln sich die Paare ab. Das Spiel übt großen Einfluss auf die emotionale Haltung aus.
Gespräche mit Eltern sind ebenfalls ein wichtiger Punkt des Programms. Während der Gespräche teilen die Mädchenhelferinnen die Kinder in kleine Grüppchen ein und lesen ihnen Märchen, malen zusammen mit ihnen, üben an Sportgeräten, spielen Ball, sehen sich Illustrationen an.
Bei ungezwungenen Gesprächen mit Müttern und Großmüttern machen wir diese allmählich bekannt mit den Grundsätzen der spirituellen Schule von Wladimir Antonow, d.h. wir sprechen vom Weg des Menschen zu Gott durch Liebe, Weisheit und Kraft. Mögliche Gesprächsthemen sind auch die Prinzipien von Yama und Nyama, die Möglichkeiten zur Entwicklung der Kinder durch Bewegung und Gesang, die Kindererziehung durch Selbsterziehung der Eltern (Eltern als Vorbild für Kinder), es gibt auch Gespräche über “tötungsfreie” Ernährung als Bestandteil der Moral und Grundlage für Gesundheit und spirituelle Entfaltung. Bei den Gesprächen wird auch eine “Rückkopplung” zu den Eltern hergestellt.
Für gewöhnlich wollen Kinder und Mütter nicht gleich nach dem Unterricht wieder gehen, und der Unterricht wird immer länger.
Die “Rückkopplung” zu den Eltern hat unter anderem Folgendes zu Tage gebracht:
Kinder besuchen den Unterricht gern, manche versuchen sogar, auch anderen Familienmitgliedern ihre “Erfahrungen mitzuteilen”.
Kinder ermahnen ihre Mütter und Großmütter selbst dazu, zuhause nur “tötungsfreie” Nahrung zuzubereiten.
Es ist unerwünscht, wenn bei dieser Form der Gruppengestaltung, wo fast jedes Kind “seinen” Erwachsenen hat, manche Kinder ohne Mutter oder einen nahe stehenden erwachsenen Menschen bleiben. Sie nehmen sich solche Situationen sehr zu Herzen. Zu beobachten sind bei ihnen sogar Schwierigkeiten beim Kontakt mit den übrigen Teil der Gruppe.
Als Ergebnis des Unterrichts festigen sich die familiären Beziehungen.
Mütter und Großmütter schließen sich allmählich “mit Haut und Haaren” der Gruppenarbeit an und machen bei allen Spielen gern mit. Zwei von ihnen, die als Kindergartenerzieherinnen tätig sind, wenden inzwischen einige Formen unseres Unterrichts in ihrer Arbeit an.
Bei einer der Großmütter hat sich im Resultat des Unterrichts der Schlaf verbessert.
Den Mädchen, die uns unterstützten (sie alle hatten der Gruppe freiwillig ihre Hilfe angeboten — eine von ihnen ist meine Tochter), hat der Unterricht nicht zuletzt dazu verholfen, die richtige emotionale Einstellung zu Kleinkindern zu entwickeln, was für zukünftige Mütter von nicht geringerer Wichtigkeit ist. Sie haben auch Leiterfahrungen erworben und Ansätze von Kreativität entwickelt.
Was die Arbeit des Lehrers angeht, so sei darauf hingewiesen, dass der Unterricht nur dann erfolgreich ist, wenn er selbst voll und ganz in die Spiele und Meditationen “einfließt” und alles, was er anderen gibt, “durch sich selbst hindurchlässt”. Die Kinder bemerken sofort die geringste “Beiseitesetzung”: Der Unterricht “fällt dann auseinander” und die Kinder reagieren nicht mehr auf seine Worte.
Mir persönlich hat die Arbeit sehr viel genützt. Sie hat die Grenzen meiner Liebe ausgeweitet, hat mich gelehrt, “den Nächsten” besser zu empfinden, mit ihm mitzufühlen, mich mit ihm gemeinsam zu freuen. Ich empfand mich gleichzeitig als Kind und als Vermittler des Lichts Göttlicher Liebe. Sie half mir dabei, an mir selbst zu arbeiten, indem sie vor mir einen Weg der Vervollkommnung öffnete.
LITERATUR
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- Antonow W.W. (ed.) — Spirituelle Praktiken (Lehrhilfe). (In Russisch). Polus Verlag, SPB, 1998.
- Antonow W.W., Wawer G.J. — Ein komplexes System der psychischen Selbstregulierung. (In Russisch). L., 1986.
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- Kahlil Gibran — Prorok. (In Tschechisch). Praha, 1990.
- Rydl, Karel — Reformni praxe v soucasnych skolskych systemech. (In Tschechisch). Praha, 1990.
- Steiner Rudolf — Vychova detska. (In Tschechisch). Praha, 1920.
- Schweitzer Albert — Zastsnce kritickeho mysleni a ucty k zivotu. (In Tschechisch). Vysehrad, 1989.
In diesem Aufsatz sind praktische Erfahrungen bei der Arbeit mit Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren dargelegt. Die Arbeit richtete sich auf die Minimierung der für die meisten Kinder üblichen inneren Disharmonien durch die Entwicklung künstlerischer Fähigkeiten, ethische und ökologischer Erziehung sowie die Steigerung des Konzentrations- und Entspannungsvermögens. Um dieses Ziel zu erreichen, können die Verfahren psychischer Selbstregulierung und die in [1,2] dargelegten Empfehlungen mit Erfolg angewandt werden. Die nachstehend unterbreitete Methodik wird diese Informationen womöglich ergänzen.
Der Unterricht mit der älteren Gruppe (10/11 Jahre) fanden in einer Sporthalle und im Freien statt. Die 5- bis 7-jährigen Kinder lernten nur in der Sporthalle — gearbeitet wurde hier auf Vorschulbasis.
Die Dauer des Unterrichts war vom Alter der Kinder abhängig. Die 10- und 11-Jährigen lernten jeweils drei Stunden lang, ohne Müdigkeit zu spüren. Die 5- bis 7-Jährigen lernten mit Erfolg etwa anderthalb Stunden. In der Mitte des Unterrichts gab es jeweils eine kleine Pause.
Das Vorgehen bei der Auswahl von Kindern für die Gruppe weist bestimmte Besonderheiten auf. Es steht außer Zweifel, dass der Unterricht allen Kindern nützlich ist, aber man muss entscheiden, was wichtiger ist: alle langsam entwickeln auf Kosten einer “Vermittelmäßigung” oder aber nur die Fähigen in der Gruppe belassen, die erfolgreich lernen und rasch vorwärtskommen können. Die Erfahrung der Arbeit mit verschiedenaltrigen Kindern von allgemeinbildenden Schulen zeigt klar, dass die “vermittelmäßigende” Einstellung die Fähigkeiten der begabtesten Kinder zugrunde richtet, während die am wenigsten entwickelten Kinder vom Unterricht so wenig Nutzen haben, dass dieser von den negativen Auswirkungen schlicht verdrängt wird. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es keinen Sinn hat, mit den Letzteren zu arbeiten. Beim Zusammenstellen der Gruppe sollte man diesen Faktor schlicht mitberücksichtigen und verschiedene Arbeitsmethoden und -formen für verschiedene Gruppen anwenden.
Eine Gruppe sollte klein sein. Der Unterricht gelingt am besten, wenn die Kinder nicht weniger als fünf und nicht mehr als sechzehn sind. Dies geht damit einher, dass die individuelle Einstellung gerade bei der Kinderarbeit von äußerst großer Bedeutung ist.
Nachstehend findet sich ein exemplarischer Unterrichtsplan.
Kindergruppen 5 bis 7 Jahre
1. Einleitende Meditation.
2. Spiele, darunter körperliche und psychophysische Übungen.
3. Entspannung.
4. Bildnerische Aktivitäten.
Kindergruppen 10 und 11 Jahre
1. Einleitende Meditation.
2. Psychophysische Übungen und körperliches Aufwärmen.
3. Entspannung.
4. Bildnerische Aktivitäten.
5. Entspannung.
6. Teetrinken.
Die Einleitende Meditation ist von größter Bedeutung und wirkt sich stark auf die ethische Bildung und die Entwicklung emotionaler Liebe zu allen Erscheinungsformen des Lebens aus. Sie fördert auch den Erwerb von Gewohnheiten der Konzentration und Aufmerksamkeit. Überdies schafft sie eine günstige emotionale Grundlage für weitere Übungen.
Bei 10- und 11-jährigen Kindern ähnelt die einleitende Meditation der in Erwachsenengruppen [2]. Allen Kindern gefällt die “Schülerstellung”, in der meditiert wird. Sie werden darin sogleich ruhig, und die Stellung begünstigt auch die Aufnahme von Information.
Bei Kindern von 5 bis 7 Jahren kann die einleitende Meditation in Form der “Sonne-Übung” durchgeführt werden. Die Kinder stellen sich im Kreis auf und bilden dabei gleichsam ein Seeufer. Sie stellen Bäume oder Gräser dar, Blumen, die ihre Zweigchenarme der zarten Sonne entgegenstrecken, die Sonne berühren, sie in die Hände nehmen und auf sich ruhen lassen, den riesigen, warmen Leuchtball fest umarmen und ihn dabei an ihre Brust drücken, und er kommt plötzlich selbst in den Brustkasten und zündet unsere Herzen mit der Liebe an. Jeder wird dann selbst zu einer kleinen Sonne. Unsere Arme sind Strahlen. Die Kinder drehen sich herum, ziehen Kreise zu gleichmäßiger heiterer Musik, machen wellenartige Armbewegungen und strahlen Licht aus. Sie strahlen mit der Sonne in ihrer Brust einander an, alle Tierchen und Vögel, die Fischchen im Wasser, die Bäume und Gräser. Die Kinder sagen selbst, wem sie noch ihr Licht und die Liebe senden wollen.
Denkbar sind auch andere Formeln der einleitenden Meditation. Sehr wichtig ist es zu spüren, wann die Übung zu beenden ist. Die Kinder sollten das von ihnen ausgehende Licht genießen, doch auf der anderen Seite könnte der feine Zustand einige Zeit später in stürmische Begeisterung übergehen, bei dem die Kinder nur schwer kontrollierbar sind.
Nachher kann man ein Aufwärmen durchführen oder psychophysische Übungen machen. Dabei muss man genau nach Plan vorgehen. Wichtig ist es, im Verlauf des Unterrichts zu spüren, was zum gegebenen Zeitpunkt eben nötiger ist. Beim ersten Unterricht gingen psychophysische Übungen unmittelbar nach der einleitenden Meditation schwieriger, weil die Kinder nach der Konzentration eines Aktivitätswechsels bedurften. Nach anderthalb bis zwei Monaten jedoch ging die einleitende Meditation leicht und fließend in psychophysische Übungen über.
Beim Aufwärmen können sich dynamische Übungen mit Hatha-Yoga-Asanas oder Pranayama abwechseln. Die physischen Übungen macht man am besten in spielerischer Form oder mit bildlichen Darstellungen. Dies macht das Aufwärmen interessanter für die Kinder. Die Asanas sollten schrittweise eingeführt werden, man darf die Kinder nicht mit ihnen überbelasten.
Wir führen das Aufwärmen zu Musik durch, die Übungen bitten wir fließend auszuführen, und harmonisch ohne Eile, im Rhythmus der Melodie. Man kann das “Spiegelspiel” nutzen (s. Artikel von E.B.Ragimowa), bei dem der Lehrer Bewegungen macht und die Kinder diese wiederholen. Nachstehend sind die Übungen angeführt, die am häufigsten im Unterricht Verwendung finden:
1. Wir heben die Arme hoch. Nun gilt es, zunächst mit den Handflächen Sonnenlicht “einzuatmen”, dann beugt man sich vor, und alles Dunkle, Grobe und Unangenehme wird wieder “ausgeatmet” — es bleibt nur das goldfarbene Licht der Sonne. 3 bis 6 Mal wiederholen.
2. Beine auf Schulterbreite, Arme ein wenig nach hinten gebogen, Handflächen nach vorn gewendet. Beim Einatmen erheben wir uns auf die Fußspitzen, die Arme gehen mit Handflächen nach vorn und nach oben, gleichsam eine Welle hebend; beim Ausatmen werden die Arme gesenkt, und wir stellen die Füße wieder auf den Boden. Sechs Mal wiederholen.
3. Wir führen nun die “Bergposition” (Tadasana) aus und merken dabei, wie die Arme spontan nach oben schweben, wobei wir gar keine Anstrengungen dafür aufwenden, sondern nur die Arme beobachten. Später, als die Kinder zu malen beginnen, kann man sie in diese Empfindung zurückführen, indem man eine Analogie zieht zwischen spontanen Armbewegungen im Tadasana und Bewegungen der pinselführenden Hand.
4. Danach kann die “Baumstellung” folgen, z.B. diejenige Variante, wo der linke Arm den zurückgebogenen linken Fuß an der Spitze hält. Der rechte Arm mit locker gehaltenem Pinsel ist erhoben, die Handfläche richtet sich nach vorn und befindet sich ein klein wenig oberhalb der Stirnfläche. Die Kinder werden gebeten, ihren rechten Fuß als einen Baumstamm zu empfinden, dessen Wurzeln tief in die Erde eindringen, während der rechte Arm ein Zweig ist und die Hand mit Fingern sind Blätter des Baumes. Dann wird die symmetrische Variante durchgeführt. In dieser Asana können Kinder zwischen einer halben und zwei Minuten verbleiben.
5. Nachher werden in fließender Reihenfolge und zur Musik folgende Asanas ausgeführt:
die “Dreiecksstellung” (Utthita-Trikonasana),
die “intensive seitliche Winkelstreckung” (Utthita-Parsvakonasana),
die “Heldenstellung ” (Vira Bhadrasana) [3].
6. Danach können einige Übungen vom Komplex des Mian Quan (“langsames Wasser”), oder Tai Chi Quan folgen. Zum Beispiel: “ein Bein über eine Schnur heben, die es nicht gibt”, “ein Knie über eine Schnur heben, die es nicht gibt”, “eine stürzende Wand, die es nicht gibt, auffangen und wieder aufstellen”, “Kreise in beide Richtungen gleichzeitig” u.dgl. Viele dieser Übungen sind in [4] beschrieben.
Diesen Übungen kann man auch Pranayamas anschließen [1], und zwar mit leichter Belastung und bildlichen Darstellungen.
7. In den ersten Unterrichtsstunden sind die in [1,2] geschilderten Anfangsübungen des Kurses psychischer Selbstregulierung mitunter sehr hilfreich
Kinder machen mit Vergnügen diejenigen Übungen, die ihnen spielähnlich erscheinen und von bildlichen Darstellungen begleitet werden.
8. Die Schmetterlings-Übung (zur Dehnung der Beinmuskel) gehört zu den beliebtesten. Wir setzen uns auf den Boden, Beine angewinkelt, Füße berühren einander, die Hände umgreifen die Füße. Die in den Knien gebeugten Beine vollziehen rhythmische, federnde Dehnbewegungen nach unten. Bei der Ausführung dieser Übung kann man sich in einen Falter hineinfühlen, der über Blumen flattert. Er suchte sich gerade eine Blume aus, setzte sich darauf und erstarrte. Dann faltete er seine Flügelchen zusammen (die Knie gehen nach oben), trank vom süßen Saft, dankte der Blume und flog weiter.
9. Nachher kann man die Positionen Fisch, Schlange, Bogen und Boot folgen lassen [3].
10. Bei 10- und 11-jährigen Kindern gelingt folgende Asana-Sequenz recht gut: “Halbe Kerze” — “Kerze” — “Pflug” — “Kaninchen” — “Halbe Kerze” — “Kerze” — “Halbe Kerze”.
11. Alle Kinder machen sehr gern folgende Übung: Beine breiter als die Schultern, Einatmung mit Rückwärtsbeuge, Ausatmung mit Vorwärtsneigung, Handflächen auf dem Boden. Wir “gehen” jetzt mit den Armen vorwärts, Beine an der Stelle, und machen eine Rumpfbeuge rückwärts. Man kann sich sogar drehen und auf sein rechtes, dann auf sein linkes Bein schauen. Nun kommen wir zurück zur Ausgangsstellung.
12. Zum Schluss kann man ein wenig umherspringen. Den Kindern gefällt es sehr, sich selbst als Kasperlepuppen vorzustellen und weich zu springen mit Entspannung in den Schlussstellungen. Man kann sich Seilsprünge vorstellen, händeklatschend springen, beim Springen die Hände unter dem Gesäß halten, Drehungen machen und so weiter.
Es ist nicht notwendig, in jedes Aufwärmen vor dem Unterricht alle diese Übungen einzubeziehen. Je geringer das Alter der Kinder, desto kleiner sollte die Belastung sein; diese sollte sehr allmählich vergrößert werden, von Unterricht zu Unterricht. Die Komplexität der Arbeit mit Kindern liegt darin, dass diese stets auf etwas Neues Lust haben. Deshalb sollten die Übungsformen häufig gewechselt werden. Die macht sich besonders bemerkbar bei der Arbeit mit jüngeren Kindern.
Zur erfolgreichen Durchführung psychophysischer Übungen muss man unbedingt Visualisierungen vorgeben. Zum Beispiel: Die Kinder stellen sich selbst vor als kleine Fische, Wasserpflanzen, Bäume, Wolken, Vögel, Wellen, Wind, Luftballons oder Schlangen, Schneeflocken, Staubkörner, kleine Segelschiffe u.dgl. Wenn die Identifizierung mit einem Bild erfolgt ist, kann man dieses leicht mit Licht füllen. Je weiter, umso leichter fällt es Kindern, psychophysische Übungen auszuführen. Dabei empfinden fast alle das Licht, das sie und den umgebenden Raum füllt, als real.
Der “spontane” Tanz [1] wird beim Kinderunterricht unter Verwendung bildlicher Darstellungen durchgeführt, und zwar vom ersten Unterricht an. Die Kinder bewegen sich leicht und tanzen, ohne voreinander Verlegenheit zu empfinden. Sie denken auch fast nie daran, wie sie dabei aussehen.
Sehr interessant ist als psychophysische Übung die Lotus-Übung. Die Kinder setzen sich im Kreis auf den Boden und berühren einander mit den Füßen ihrer vorgestreckten Beine. Sie bilden alle zusammen eine Lotusblume, und jedes Kind ist ein Kelchblatt. Man kann die erhobenen Arme schaukeln, als ob im Wind. Man kann sich gegenseitig an den Händen nehmen, sich nach vorn beugen und dabei die Blume zu einer Knospe schließen, sich dann aufrichten, die Arme öffnen und sich auf den Boden legen und dabei das von oben herabfließende Sonnenlicht in sich aufnehmen. Dann setzt man sich wieder. Eines der Kinder steht auf und beginnt sich im Zentrum zu drehen und stellt dabei die Mitte der Blume dar. Dann schließt sich ein anderes Kind ihm an, dann ein drittes... Die Kinder bilden einen inneren Kreis, drehen sich fließend. Möglich sind zahlreiche Variationen dieser Übung.
Von sehr großer Bedeutung sind Entspannungsübungen. Alle wissen, wie schwer es dem modernen Menschen fällt, sich zu entspannen, und wie viel Müdigkeit sich bereits mit zwanzig Jahren angesammelt hat bei jemandem, der die Entspannungsfähigkeit verloren hat.
Bei den Entspannungsübungen ist es sehr wichtig und bequem, den Kindern ethische Unterweisung zu geben, die Emotion der Liebe zu entwickeln, die Naturwahrnehmung zu verfeinern und eine Umwelterziehung zu führen. Gewöhnliche Gespräche mit Kindern bringen diesen Effekt nicht. Den Kindern werden im Verlauf der ganzen Entspannung werden Vorstellungsbilder nahe gelegt. Der Laut der Stimme fesselt gleichsam ihr Bewusstsein und erlaubt ihnen nicht, allzu tief im Entspannungszustand zu versinken [1]. Man kann sich beispielsweise ein Märchen einfallen lassen und erzählen, das dem Unterrichtsthema entspricht. Die Entspannung wird durchgeführt in der “Halben Schildkröte”, in der “Krokodil-Stellung”, auf dem Rücken und auf der Seite. Für gewöhnlich wird eine bestimmte Position vorgeschlagen, aber wenn eines der Kinder eine andere wählt, sollte man nicht die Aufmerksamkeit darauf konzentrieren.
Die Methodik der Entspannungsübungen mit Kindern unterscheidet sich je nach Alter. Zehn- und Elfjährige betreten mit Leichtigkeit den Zustand voller Gelöstheit bei leiser, sanft dahinfließender Musik und beim Laut einer Bilder vorgebenden Stimme. Bei 5- bis 7-jährigen Kindern kann die in [5] dargelegte Methodik erfolgreich angewandt werden.
Der Kunstunterricht wird ebenfalls je nach Alter auf verschiedene Weise durchgeführt. Man kann beliebige darstellende Materialien verwenden, aber in unserem Unterricht wird malerischen Materialien der Vorzug gegeben. Die Kinder malen mit Aquarellfarben, Aquarellfarben mit weißer Farbe oder mit Guasch. Für Vorschüler ist Guasch besser, dagegen sind Aquarellfarben in höherem Alter effektiver. Die benutzten Pinsel sind breit, am besten flach, und für die Details sind feine Pinsel notwendig. Unbedingt nötig ist ein kleines Tuch zum Abwischen der Hände.
Zunächst muss man den Kindern beibringen, Farben zu delikaten und reinen Farbtönen zu mischen. Dabei wird mit großen Farbflecken gearbeitet.
Alle Utensilien werden frühzeitig, vor dem Unterricht vorbereitet. Jedes Kind nimmt nach der Entspannungsübung selbst alles Notwendige und beginnt zu malen, ohne die anderen zu stören.
Das Gefühl für Farbenharmonie ist vielen Menschen seit der Geburt eigen. Viele jedoch ahnen nicht einmal, dass sie diese Fähigkeit besitzen. Um diese zu Tage zu bringen und zu verwirklichen, ist somit Hilfe nötig. Und wenn die Hilfe noch im Kindesalter kommt, kann sich das Kind harmonischer und voller entwickeln.
Für Kinder von 5 bis 7 Jahren ist es nötig, das jeweilige Malthema vorzugeben und bei jedem Unterricht die Arbeitsschritte zu zeigen, denn ihnen fehlen noch die elementaren gestalterischen Gewohnheiten. Es ist gut, wenn das Thema sogar schon in seiner Benennung eine bestimmte Situation vermittelt, wie es in China und Japan praktiziert wird. Die Kinder malen Bäche, die über tauenden Schnee fließen, Wolken, die ihre Form dem Wind nach verändern, Baumzweige vor dem Hintergrund eines klaren Himmels oder aber der untergehenden Sonne, ein Unterwasserreich, eine Waldwiese mit Blumen, Schmetterlinge, die Sonne, ein wogendes Meer, verschiedene Frostmuster u.dgl. Malen lassen kann man Tiere, Vögel, Bäume, Blumen und dabei den Kindern die Liebe zu allen Wesen beibringen.
Durch das Darstellen lernen Kinder, die Welt zu sehen. Man kann ihnen auf diese Weise beibringen, die Welt von den überraschendsten Seiten wahrzunehmen und zu empfinden.
Bei der Arbeit mit 10- und 11-Jährigen liegt der Schwerpunkt auf Spontaneität. In diesem Alter genügt es oft, die Kinder ein wenig anzuregen und zu lenken, damit sie ihre Zustände und Stimmungen mit den ihnen bereits bekannten Arbeitsmethoden zum Ausdruck bringen. Kinder eignen sich neue Techniken rasch an.
Der Lehrer sollte ebenfalls zusammen mit den Kindern malen und ihnen die Gefühlszustände vorgeben oder ihnen helfen, anstatt ein unbeteiligter Beobachter zu sein. Nach Möglichkeit sollte versucht werden, jegliche Gespräche beim Malen zu unterbinden, weil diese die feinen Gefühlszustände verwirren. Dies ist bei der Arbeit mit 5- bis 7-jährigen Kindern sehr schwer zu erreichen, den sie durchleben das, was sie darstellen, sehr stark und sprechen es laut aus. Es lohnt sich dennoch, diesen Umstand zu beachten und kein allzu großes Geschwätz zuzulassen.
Das Teetrinken ist ebenfalls ein wichtiger Punkt des Unterrichts. Eine passende, vom Lehrer vor dem Essen vorgegebene Meditation stimmt die Kinder auf Dankbarkeit gegenüber der Erde und den sie ernährenden Menschen ein. Sie denken vielleicht erst im Unterricht zum ersten Mal darüber nach. Unter Anleitung des Lehrers lernen sie, miteinander zu teilen, etwas anzubieten oder zu geben und achtsam mit der Nahrung umzugehen. Wenn beim Teetrinken müßige Gespräche entstehen, sollten diese nach Möglichkeit in eine spirituelle Richtung gelenkt werden, und zwar durch behutsamen Themenwechsel. Manchmal machen die Kinder selbst derartige Bemerkungen zueinander.
Eine wichtige Form der pädagogischen Arbeit mit Kindern sind Ausflüge ins Freie. Man sollte sie außerhalb der Stadt bringen, um ihnen Beispiele für den richtigen, behutsamen Umgang mit der Natur zu geben und so erste Ansätze für ein weiteres spirituelles Leben des Kindes zu schaffen. Bei solchen Exkursionen stellte sich heraus, dass viele Kinder es verstehen, mit Pflanzen und Insekten zu “sprechen” sowie mit Tierchen und Vögeln verständnisvoll umzugehen. In dieser Hinsicht kann man von Kindern viel lernen. Andere Kinder hingegen wundern sich über eine solche Haltung zu Pflanzen und Insekten als Wesen, die Schmerzen empfinden und lieben können. Sie lachen oft am Anfang darüber und verstehen es nicht. Nach und nach aber werden auch sie durchdrungen von derselben Wahrnehmung von Naturobjekten als lebenden Wesen, zumal sie das im Unterricht und bei Meditationen lernen. Eine pantheistische Beziehung zur Natur steht Kindern nahe, und fast alle akzeptieren das leicht und beginnen, die Natur als Tempel des Lebens zu empfinden.
Darüber hinaus lernen Kinder bei den Ausflügen, Lagerfeuer anzuzünden, ohne lebende Pflanzen zu töten, keine Angst vor Unwetter zu haben, genießbare und ungenießbare Pflanzen zu erkennen sowie Vogelstimmen zu unterscheiden und sich am Vogelgesang zu erfreuen.
Als nützlich erweist sich mitunter eine Diavorführung über Naturzustände. Diese sollten freilich in nicht allzu großer Zahl gezeigt werden, denn die Kinder werden bald müde.
Wenn die Gruppe genügend vorbereitet ist, lernt sie erfolgreich den Übungskomplex “Surya Namaskar” (Sonnengruß) [3]. Zehn- und elfjährige Kinder absolvieren diese Asana-Folge mit Vergnügen. Sehr gut gelingt dies im Schoß der Natur.
Hin und wieder kommt es beim Unterricht spontan zu Gesprächen über religiöse Themen, zumeist im Wald am Lagerfeuer. Interessanterweise sind alle 10- und 11-jährigen Kinder nach fünfmonatigem Unterricht von der Existenz Gottes überzeugt, und die meisten von ihnen stellen sich Ihn als Licht oder als einen Alldurchdringenden Geist vor, obwohl beim Unterricht keine besonderen Erläuterungen zu dem Thema gemacht wurden. Diese Auffassung ist anscheinend durch persönliche Erfahrungen der Kinder bei psychophysischen und sonstigen Übungen bedingt.
Unsere Praxis bei diesem Unterricht hat gezeigt, dass harmonisch entwickelte Kinder, mit denen man auf Anhieb leicht und angenehm arbeiten kann, sehr selten sind, doch sie werden im Laufe des Unterrichts immer mehr. Am Ende eines Unterrichtszyklus mit fünfmonatiger Dauer bleiben in der Gruppe ungefähr vierzig Prozent der Kinder, für die der Unterricht sehr viel bedeutet. Sie zu unterweisen ist ein Vergnügen und eine Belohnung für den Lehrer.
LITERATUR
- Antonow W.W. — Spirituelle Praktiken. (Lehrhilfe). (In Russisch). Polus Verlag, SPB, 1998.
- Antonow W.W. — Ökologie des Menschen im multidimensionalen Raum. (In Russisch). Polus Verlag, SPB, 2000.
- Wasiljew T.E. — Grundsätze des Hatha-Yoga. (In Russisch). M., 1990.
- Sokolow P.P. — Die Schlaflosigkeit besiegen. (In Russisch). M., 1990.
- Tschistjakowa M.I. — Psychogymnastik. (In Russisch). Ì., 1990.
Im Alter von 11 bis 13 Jahren treten Kinder ins Stadium der “konkreten Erkenntnis” ihrer Ontogenese, d.h. sie erwerben aktiv elementare Kenntnisse über ihre Umwelt. Manche von ihnen meistern auch in Ansätzen das nächste ontogenetische Stadium, die “Harmonie” [1], welche mit einer aktiven Herausbildung emotionsbildender Strukturen des Organismus und der Suche nach allgegenwärtiger Harmonie zusammenhängt.
Mit Rücksicht darauf sollte der Unterricht dieser Kinder am besten darauf orientiert sein, sie über alle für sie wichtigen Themen umfassend zu informieren und ihr kreatives Potenzial zu Tage zu fördern sowie eine wohlwollende Haltung gegenüber der Umwelt zu entwickeln. Es ist notwendig, vielfältige Lebensvorstellungen ins Blickfeld der Schüler zu rücken und diesen erlauben, sich in vielen Tätigkeitsarten zu “versuchen”.
Das Jugendalter wird oft als eine “Übergangsphase” bezeichnet. Charakteristisch ist hierfür eine intensive körperliche und eine stürmische psychische Entwicklung der Kinder.
Äußerst bedeutsam sind die komplexen anatomischen und physiologischen Veränderungen in Verbindung mit der Pubertät. Das stürmische körperliche Wachstum und geschlechtliches Heranreifen erhöhen die psychische Erregbarkeit und Verletzlichkeit. Aus dem sozialen Umfeld kommen nunmehr auch größere Anforderungen an den Teenager, und die noch mangelnde persönliche Lebenserfahrung führt häufig zu emotionaler und verhaltensmäßiger Labilität.
Alle diese altersbedingten Besonderheiten gilt es bei der Unterrichtsplanung zu berücksichtigen.
Als Programmgrundlage diente ein Erwachsenenkurs für psychische Selbstregulierung — bis zum Beginn der Arbeit mit Chakras —, sowie auch die mittlerweile reiche Erfahrung der Kinderarbeit im Rahmen der Schule von Wladimir Antonow.
Der Unterricht beinhaltete auch Elemente von Hatha-Yoga und Kampftechniken, ethische Gespräche u.a.
Der Unterricht ist üblicherweise wie folgt aufgebaut:
1. Einleitende Meditation.
2. Psychophysische Übungen, Latihan-Meditation, “spontaner Tanz”.
3. Dynamischer Komplex “Surya Namaskar”.
4. Meditationsspiele, Konzentrationsübungen, Pranayama.
5. Bewegungsspiele.
6. Hatha-Yoga-Asanas.
7. Elemente der Kampfkunst.
8. Entspannung.
9. Gespräch.
Der psychoenergetische Teil ist besonders wichtig, denn er entwickelt die Gefühlssphäre und die Fähigkeit zur Schaffung bildhafter Vorstellungen. Auch erlaubt er, die umgebende Welt besser zu verstehen und neue, feine Gefühlszustände kennen zu lernen.
Die Eigenart der adoleszenten Wahrnehmung erfordert es vom Lehrer, bei den Schülern zunächst ein Interesse zu wecken. Es stellt sich somit die Frage: Wir ist die Information zu vermitteln?
Man kann folgende Erläuterungsvarianten verwenden:
“Wir wollen jetzt lernen, gutherzige Zauberer zu werden: Dazu muss man sich selbst verwandeln, zu lernen, sich mit Güte und Liebe zu füllen. Dies werden diejenigen spüren, die uns umgeben. Und wenn wir mit Güte erfüllt sind, verändert sich für uns auch die ganze Welt um uns herum, denn wir betrachten sie dann bereits mit anderen Augen; eine Welt voller Liebe und Freude um uns herum können wir nur selbst erschaffen, und dazu gibt es zauberhafte Methoden, die man lernen kann”.
Oder man kann eine Geschichte erzählen von einem Mädchen, die seit ihrer Geburt blind war. Eines Tages aber kam ihr Sehvermögen wieder und sie sah diese wunderbare Welt zum ersten Mal, und die war so schön. Daraufhin fragte das Mädchen ihre Mutter: “Warum denn hast du mir nichts davon erzählt?” Und die Mutter sagte: “Mein Töchterchen, ich erzählte dir davon immer wieder, aber du konntest mich nicht verstehen!” Ebenso kommen auch wir fast alle spirituell blind zur Welt, unsere spirituellen Augen sind geschlossen und wir sehen die wundervolle Welt nicht. Man kann aber Methoden erlernen, die es erlauben, die spirituellen Augen zu öffnen, und dann werden wir sehen, dass um uns herum die Liebe ist. Aber dazu muss man sich Mühe geben.
Nach einer solchen Einführung beginnen die Kinder sehr bereitwillig mit einleitender Meditation sowie psychophysischen und anderen Übungen.
Man kann auch andere Methoden finden, die den Wunsch hervorrufen, sich zum Besseren zu ändern.
Damit es leichter fällt, psychophysische Übungen zu meistern, ist es sinnvoll, diese mit bildhaften Vorstellungen von Naturbildern und insbesondere der Sonne zu kombinieren, oder auch mit der Selbstidentifizierung als Blume, Wasserpflanze etc.
So kann beispielsweise für die “Aufwachübung” das Bild einer Sonnenblumenknospe verwendet werden, die im Vorgefühl des Frühlings erwacht und sich zur Sonne streckt. Sie wird größer und größer, die Blätter wachsen, die Knospe schwellt an, und zuoberst, über dem Stängel, entfaltet sich eine riesige gelbe Blume. Wir strecken uns hin zum Sonnenlicht und schöpfen es mit den Kelchblatt-Armen und füllen damit den Stängel-Körper — und wir werden allmählich zu goldigen Sonnenstrahlen.
Für die “Versöhnungs-Übung” ist beispielsweise das Bild eines Ozeans zärtlichen Lichts gut geeignet: Wir befinden uns auf dessen Boden und liebkosen diesen Ozean mit unseren Händen und geben ihm durch Berührungen unsere Liebe und Zärtlichkeit.
Die “Geben-Übung”: In meiner Brust erblüht eine riesige, zarte weiße rose, der ganze Brustkasten wird erfüllt von ihrem feinsten Aroma, und ich verbreite dieses Aroma mithilfe meiner Hände an meine Freunde.
Der “spontane” Tanz: Ich bin eine Wasserpflanze in freiem warmen Wasser.
Die Latihan-Meditation gelingt gut beim Vorstellen eines fröhlichen goldenen Nieselregens.
Im Unterricht findet auch die Methodik des “inneren Lächelns” breite Verwendung. Sie setzt voraus, dass man lernen sollte, das äußere Lächeln nicht bloß nach Bedarf wie eine Maske zu tragen, sondern es sollte aus einem inneren Lächeln hervorgehen.
Hier ist es erneut notwendig, annehmbare Darbietungsformen dieser Übung zu finden. Der Kern der Methode besteht darin, dass wir durch Visualisierung unseres lächelnden Gesichts die Energie dieses Lächelns weich ins spirituelle Herz einführen und allmählich im ganzen Organismus ausbreiten. Man kann also vorschlagen sich vorzustellen, dass in verschiedenen Teilen des Körpers allmählich lächelnde Lippen und freudestrahlende Augen erscheinen — und bald erstrahlt der gesamte Organismus in einem Lächeln. Sehr wichtig ist es hier, dass auch der Lehrer selbst die Übungen mit maximalem gefühlsmäßigen Engagement ausführt, damit die Kinder nachahmen können — diese Eigenschaft ist bei ihnen in der Regel gut entwickelt.
Damit die Aufmerksamkeit nicht abgelenkt wird und stabil bleibt, ist es wichtig, den Kindern Konzentration zu lehren. Hierzu sind ebenfalls eigenartige Methoden nötig, um sie für die Übung zu begeistern. So kann man beispielsweise bei der einleitenden Meditation die Kinder bitten sich vorzustellen, dass sie sich auf dem Planeten Erde in der Umgebung von vielen Wesen befinden. Von oben her scheint die uns allen Leben spendende liebende Sonne. Wir hören zu, wir unsere Herzen schlagen: tack, tack, tack. Und jetzt habe ich an Stelle des Herzens ein Stückchen der zärtlichen lieben Sonne, die ganze Brust in erfüllt mit ihrem Licht und beginnt wie ein Scheinwerfer aus dem Brustkasten zu leuchten...
Zur Entwicklung der Fähigkeit der “Visualisierung” wären folgende Übungen zu empfehlen:
Die “Libellen-Übung”: Wir befinden uns auf einer Waldlichtung an einem warmen Sommertag, stehen barfüßig auf samtweichem grünen Gras, spüren, wie weich es ist... Eine kleine Libelle fliegt herbei, ich strecke meinen Arm zu ihr vor, damit sie sich setze. Die Libelle wärmt sich in der zarten Sonne, wird fast regungslos, ihre Flügelchen senken sich. Wir wärmen sie jetzt mit unserer Liebe, die unseren Händen entströmt, wiegen sie sanft hin und her...
Oder die “Übung mit der Apfelsine”: Wir brechen eine imaginäre saftige Orangenfrucht auf, der Saft rinnt über die Hände, wir beißen ein Stückchen ab, schlucken...
In unserem Unterricht werden auch einige Pranayamas verwendet. Wir werden zum Beispiel zu Zauberkünstlern. Auf der Hand eines jeden liegt eine weiße Lichtkugel. Wir ziehen sie in die Hand ein und führen sie vom Handinneren über den Brustkasten in den anderen Arm — und die Kugel erscheint wieder auf der Hand. Am Anfang kann man diese Übung paarweise machen: Der eine Teilnehmer führt seinen Finger entlang der Bewegungsbahn der Kugel beim Partner, und der macht Pranayama.
Die Kinder werden bei langwieriger Konzentration recht schnell müde, und es ist wichtig, die Übung rechtzeitig abzubrechen, damit die emotionale Kulisse auf dem richtigen Niveau bleibt.
Im Unterricht gibt es auch Übungen zur Selbstidentifizierung mit einem Vorstellungsbild, wünschenswerterweise einem dynamischen. Wir versetzen uns beispielsweise in die Gestalt eines fliegenden Vogels, identifizieren uns mit einem Flugzeug, spielen Zug, wobei jeder zu einem Waggon wird, wir fahren über verschiedene Orte, vorbei an abwechslungsreichen Landschaften. Oder: Alle kuppeln sich zusammen zu einer großen Schlange, und die kriecht und windet sich. Oder wir verwandeln uns in eine kleine Herde verspielter Delfine, das Meer ist unser Element, wir reisen durch die Unterwasserwelt, springen hoch aus dem Wasser und tauchen wieder. Diese Übungen bereiten den Kindern Freude.
Damit die feinen Gefühlszustände stabil bleiben und um gesund und stark zu sein, muss man den Kindern die Gewohnheit vermitteln, mit dem eigenen Körper zu arbeiten. Eine dieser Methoden ist der Hatha-Yoga-Unterricht.
Im Besonderen wird im Unterricht der dynamische Komplex “Surya Namaskar” (Sonnengruß) eingeübt. Ihm folgen einige unkomplizierte Asanas: der Kuckuck, der Frosch, die Brücke, der Bogen. Den Asanas geht eine entsprechende Einstimmung voraus: Jeder sagt sich, dass er jetzt alle Asanas genau und sicher ausführen wird. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass wir es sind, die unseren Körper beherrschen sollen, nicht umgekehrt.
Sehr relevant für die harmonische Entwicklung der Jugendlichen ist der Kampfunterricht. Hier werden Techniken der Sturzsicherung gelernt, Handblocks, Haltungen, sowie unkomplizierte Sambo- und Aikido-Techniken. Der Kampfunterricht verläuft in Form eigenartiger Spielsituationen, die es auch erlauben, Kraft zu entwickeln, sie geben psychologische Standhaftigkeit in komplexen Situationen und helfen, den Willen zu entwickeln. Das erlaubt zusammen mit Hatha-Yoga, den eigenen Körper beherrschen zu lernen und ihn besser zu spüren, fördert Tapferkeit und vermittelt praktische Gewohnheiten.
Um der emotionalen Entspannung willen und auch, damit es für die Kinder im Unterricht interessanter wird, werden auch alle möglichen Bewegungsspiele verwendet. Es sind dies: verschiedenartige Fangspiele, Stafetten, die Spiele “Lahmer Fuchs”, “Das Tor” usw. Nach solchen Spielen geraten die Kinder in Erregung und es ist dann sinnvoll, sie darauf zu orientieren, die Fähigkeit zu rascher Beruhigung durch eine Entspannungsstellung zu erwerben.
Zur Erholung am Ende und auch während des Unterrichts werden je nach Bedarf Entspannungsübungen durchgeführt, und zwar in der “Krokodil-Stellung”, in der “Halben Schildkröte” und in der Rückenlage. Hierbei visualisiert man am Himmel schwebende Wolken oder Vögel; man kann sich mit diesen Objekten auch identifizieren.
Eines der wichtigsten Kapitel des Unterrichts ist wohl das abschließende Gespräch, mit dessen Hilfe eine zielgerichtete intellektuelle und ethische Arbeit stattfindet. Die Gespräche basieren im Wesentlichen auf Materialien aus dem Neuen Testament (Gleichnisse), zugleich werden auch Fragen des Lebenssinns angesprochen, der ökologische Aspekt der menschlichen Existenz oder auch, wie man die Fähigkeit zu lieben entwickeln kann, darunter durch Beobachten der Welt um uns herum, oder die Grundsätze der Evolution im Weltall oder auch, wie man leben soll, um niemandem Böses anzutun.
Ein solches Gespräch wird 10 bis 15 Minuten in einer für die Kinder verständlichen Form geführt. Es ist spürbar, dass viele sich für diese Themen interessieren; die Kinder stellen zunehmend Fragen und es entsteht so eine Rückkopplung, was sehr wichtig ist.
Die Jungen zeigen großes Interesse für das Thema Ahimsa Kshatria. Ahimsa ist das ethische Hauptprinzip, das folgendermaßen formuliert wird: ”Nicht-Schädigung, wenn möglich, irgendeines Lebewesens in Taten, Worten und Gedanken” [1,2]. Die Kshatrias sind Anführer, Krieger. Zur Erläuterung kann man die Formel anwenden: “Man sollte stark und gutherzig sein; wenn man Kraft anwendet, dann ohne Zorn”. Man kann das praktisch durcharbeiten, indem man sich mit Kampftechniken beschäftigt.
Ergänzend sei angemerkt, dass es sinnvoll ist, den Unterricht, wenn möglich, einige Male im Freien durchzuführen, vorzugsweise im Wald. Hier kann man den Kindern beibringen, behutsam und respektvoll mit der lebenden Natur umzugehen. Zum Beispiel: Wie macht man ein Feuer, ohne ihr zu schaden? Man kann auch versuchen, die Grenzen der bioenergetischen “Kokons” von Bäumen zu bestimmen und so praktisch zu verstehen geben, dass alle Lebewesen um uns herum unsere Gefährten in der Evolution sind.
Mit Blick auf die Ergebnisse des Unterrichts lassen sich bei den Kindern folgende Veränderungen herausheben: vor allem Wissensgewinn und Horizonterweiterung, Erwerb positiver Gewohnheiten und Eigenschaften, das Aufkommen eines aktiven Interesses daran, sich selbst in Übereinstimmung mit den erhaltenen Informationen zu verändern, Abbau der “Gehemmtheit”. Viele wurden auch bessere Schüler, wurden ruhiger, manche korrigieren aktiv ihr Verhalten in Übereinstimmung mit den gelernten ethischen Prinzipien.
Die Eltern vermerkten gegenüber den Lehrern ein Streben nach Kreativität bei ihren Kindern (sie fühlten sich zunehmend angezogen vom Malen, viele wünschen sich, einen Kunstzirkel zu besuchen), sie sind selbstsicherer geworden und zeigen deutlich mehr Interesse am üblichen Schulunterricht.
LITERATUR
1. Antonow W.W. — Die Kunst des Glücklichseins. Ein System der psychischen Selbstregulierung. (In Russisch), L., 1984.
2. Antonow W.W. — Ökologie des Menschen im multidimensionalen Raum. (In Russisch). Polus Verlag, SPB, 2000.
Wie zu beobachten ist, kann ein Unterricht der militärischen Künste zur Steigerung der negativsten seelischen Eigenschaften bei denjenigen Menschen führen, die solche Eigenschaften bereits aufweisen, und er kann auch denjenigen, die den Weg des Verbrechens beschreiten, zusätzliche Vorteile bieten. Dies hängt ohne Zweifel in sehr bedeutsamem Maße davon ab, auf welche Art und Weise der Unterricht geführt wird, d.h. welche moralischen Normen der Lehrer seinen Schülern vermittelt.
Auf der anderen Seite kann der Unterricht militärischer Künste zum Bestandteil der Arbeit wahrhaft spiritueller Schulen werden, wo die Ideen die Liebe zu Gott und zu allem Lebenden, einschließlich der Menschen, Tiere und Pflanzen, das Fundament einer in die Tat umzusetzenden und zu verfechtenden Weltanschauung bilden (s. u.a. 3]).
Das Gesagte ist auch und gerade auf den Unterricht von Kindern anwendbar. Denn davon, auf welche Startposition man sie im Leben setzt, hängt sehr vieles in ihrem weiteren Schicksal ab.
Der wahre Sinn und Zweck des Erlernens von Kampfkünsten in der Tradition gesunder spiritueller Schulen besteht nicht darin, die Gegner schlagen zu können, sondern darin, die eigenen Schwächen und Mängel zu überwinden. Es ist eine fortwährende Selbstvervollkommnung als aktive Person, die moralische und spirituelle Prinzipien ins Leben umsetzt, darunter Tapferkeit, Sanftmut und Feingefühl bei Wechselbeziehungen mit Objekten der Umwelt, Gutherzigkeit sowie aufrichtige herzliche Liebe in Verbindung mit der Bereitschaft zur Selbstaufopferung. Ohne Zweifel führt ein solcher Unterricht bei richtiger Organisation zu einer erheblichen Stärkung der sozialen und psychologischen Standhaftigkeit.
Die Grundform beim Unterricht militärischer Künste sind Beschäftigungen in Gruppen. Dies ermöglicht erzieherische Maßnahmen, unter anderem durch Einprägung wahrhaft spiritueller Beziehungen innerhalb des Kollektivs. Die Kinder lernen bei solchen Trainings, mit Gleichaltrigen und Älteren umzugehen. Der Ausbilder, der über bestimmte Fähigkeiten verfügt, ist fast immer ein Gegenstand der Begeisterung und Nachahmung. Dies wiederum erlegt ihm eine große Verantwortung auf. Durch seinen aufrichtigen spirituellen Enthusiasmus kann er mit Leichtigkeit “die Herzen der Schüler entfachen” und wird zu einem moralischen Vorbild nicht nur in der Sporthalle, sondern auch im Alltag. Dazu ist aber nur ein Mensch mit einem offenen spirituellen Herzen fähig. Seine Aufgabe ist es, eine Atmosphäre des Wohlwollens und der Aufrichtigkeit zu schaffen, das spirituelle Potenzial der Schüler zutage zu fördern und ihnen die richtige Gesinnung gegenüber der Umwelt einzuflößen.
Für den Schüler beginnt alles mit der korrekten Einstellung zum Unterrichtssaal. Dieser ist ein Ort der Vervollkommnung und sollte deshalb sauber und ordentlich gehalten werden. Man muss sich dort angemessen verhalten. Beim Unterricht darf man nicht toben, sich ablenken lassen, andere stören und jegliche Tätigkeiten ohne ein Kommando des Ausbilders verrichten. Durch Einhaltung dieser Regeln lernt das Kind, seine Emotionen und Handlungen zu kontrollieren.
Das Training beginnt in stehender Position oder im “Schülersitz”. Da die militärischen Künste die Bewegungs- und Kraftsphäre berühren (zu ihren Koordinatoren im Organismus gehört das Untere Dantian), ist es besonders nötig, diese Arbeit vor dem Hintergrund verfeinerter Emotionen durchzuführen. Hierzu konzentriert man sich auf eine Darstellung der aufgehenden Sonne, baut Gefühls- und Muskelspannungen ab, öffnet die Gefühlssphäre durch Aktivierung des Mittleren Dantian und füllt dieses mit feinen Energiezuständen.
Weiter folgt das Aufwärmen. Es besteht aus gleitenden Bewegungen wie bei Tai Chi. Wir nannten diesen Komplex “Schaukelndes Schilfrohr”. Der Schüler stellt sich zunächst vor, er sei ein von leichtem Wind umblasenes Schilfrohr. Nun fällt es ihm leicht, die einfachsten Aufwärmübungen zu machen: Schaukelbewegungen, Verbeugungen und Durchbiegungen. Dabei wird der Körper entspannt, weich und nachgiebig. Die Übungen werden allmählich komplizierter, der Schwerpunkt liegt nun auf Biegsamkeit, Dehnungsvermögen und Elastizität. Das Aufrechterhalten angenehmer, komfortabler Zustände ist die unabdingbare Voraussetzung für eine gefahrlose Steigerung der Belastungen. Nur so kann man Verletzungen vorbeugen, Plastizität bei der Ausführung der “Formen” erwerben und die ganze Technik richtig meistern. Das hat nicht nur positive Auswirkungen auf den Körper, indem es sogar tief sitzende Spannungen abbaut und alle körperlichen Vorgänge wieder herstellt und harmonisiert, sondern auch auf den psychischen Zustand insgesamt.
Das Erlernen richtiger Körperstellungen nimmt bei Kampfkünsten einen besonderen Platz ein. Es ist die Grundlage für die Beherrschung der “Basistechnik”, denn es entwickelt die Standhaftigkeit als Fundament für die dynamischen Formen. Obwohl Kinder nicht gern lange in ein und derselben Position stehen, sind diese Übungen doch sehr wichtig, und zwar nicht nur für die Meisterung der technischen Seite. Sie fördern auch die Herausbildung der richtigen Haltung, was für die Gesundung des Organismus von nicht geringer Wichtigkeit ist.
Sehr gut für die Beherrschung statischer Stellungen ist die Bildvorstellung von einem Baum, der mit seinen Wurzeln in die Erde eindringt und mit den Blättchen sich zur Sonne streckt. Durch Arbeit mit diesem Bild kann man sehr leicht lernen, sich zu entspannen und einen positiven Gefühlszustand die ganze Übung hindurch beizubehalten.
Das Studium technischer Elemente in der Dynamik sorgt bei den Kindern für viel mehr Interesse und bietet die Möglichkeit, verschiedenartige Übungen in die Arbeit einzubeziehen. So hat beispielsweise das Laufen einen positiven Einfluss auf den Kreislauf und das Atemsystem, die Akrobatik entwickelt den Vestibularapparat und Übungen mit hoher Amplitude stärken das Bewegungs- und Stützsystem. Ein gesondertes Kapitel der Dynamik, bei dem grundlegende technische Aktivitäten vermittelt werden, sind Verlagerungen, Abwehrbewegungen und Angriffe.
Alle wollen in jungem Alter stark und selbstsicher werden. Wenn aber der Schüler mit dem Erlernen dynamischer Techniken beginnt, versteht er sofort, wie viel Kraft und Zeit notwendig ist, um die ihm gezeigte Technik zu meistern. Dies entwickelt bei ihm Fleiß, Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit.
Fast alle dynamischen Formen der traditionellen östlichen Kampfkünste sind mit Bildvorstellungen von “totemischen” Tieren verbunden, denen höhere Tugenden zugeschrieben wurden. Das Nachahmen ist für Kinder sehr bezeichnend. Beim Betrachten der Schüler kann man sehen, dass der eine, der sich beispielsweise in die Rolle des Tigers einlebt, Bewegungen ausführt, die von Weichheit und Kraft erfüllt sind; er ist ruhig. Ein anderer hingegen stimmt sich auf die Aggressivität des Tigers ein — mit allen sich daraus ergebenden Gefühlszuständen. Der Lehrer muss dann eine ernsthafte Erklärungsarbeit leisten.
Wir empfehlen bei der Arbeit mit Tierbildern weitgehende Vorsicht.
Am richtigsten und ungefährlichsten ist die Arbeit mit Naturbildern: Sonne, Wasser, Wind usw. Dies stimmt das Kind auf angenehme Emotionen, Reinheit und “Gleichklang” mit der Natur ein. Wenn sich ein Schüler etwa auf ein sanft dahinströmendes Bächlein abstimmt, führt er die Bewegungen fließender, leicht und zusammenhängend aus und bleibt dabei in einem positiven Gefühlszustand.
Solche Meditationstechniken knüpfen wir oft an Pranayamas. Dies erlaubt es, die Meridiane des Körpers effektiver zu reinigen und eine rasche und bedeutsame Verbesserung des Gesundheitszustandes der Schüler zu erreichen.
Die “Formen” können einzeln oder paarweise ausgeführt werden. Gerade bei der Paararbeit fließen alle Elemente der Vorbereitung in ein Ganzes zusammen. Hier sind die Vorzüge und Mängel der Schüler gut bemerkbar. Die Aufgabe besteht zum Teil darin zu lernen, seinen Partner nicht als Gegner zu sehen, sondern als einen Freund und Helfer. Solche Beziehungen entwickeln Aufrichtigkeit und Vertrauen, helfen Angst und Unsicherheit zu überwinden und bauen in der Folge die Aggressivität ab. Diese Eigenschaften werden dem Kind nicht nur im Unterricht nützen, sondern auch im täglichen Leben.
Unsere Erfahrung bei dieser Arbeit zeigt, dass alle ausreichend gesunden Kinder in die Gruppe aufgenommen werden können. Dabei empfehlen wir ihnen allen, neben anderen ethischen und hygienischen Lebensnormen, nach Möglichkeit zu einer “tötungsfreien” Ernährung zu wechseln. In den Gruppen gibt es immer eine natürliche “Absiebung”. Viele Schüler aber setzen ihre Ausbildung jahrelang fort. Ihnen geben wir nach dem Erreichen eines Alters von etwa 20 Jahren Methoden der Arbeit mit Chakras und Hauptmeridianen und bieten ihnen später auch eine Fortsetzung im Rahmen des Buddhi-Yoga [1,2] an. Selbstverständlich können zum Unterricht solch komplexer Methodiken nur diejenigen zugelassen werden, die voll und ganz die ethischen Grundsätze akzeptiert haben und intellektuell ausreichend entwickelt sind.
Der Unterricht militärischer Künste sollte nicht auf den Übungssaal begrenzt sein. Wir verwenden auch andere Lehrformen wie etwa die Besichtigung von Museen und anderen historisch bedeutsamen Orten, geschichtstheoretische Auseinandersetzung mit Kampfkünsten der Weltvölker und touristische Ausflüge. Dies alles erweitert das Blickfeld des Kindes, entwickelt einen Respekt vor dem kulturellen Erbe verschiedener Völker und flößt eine sorgsame Einstellung zur Natur ein. Auf diese Weise helfen militärische Künste dabei, eine harmonische und vielseitig entwickelte Persönlichkeit zu formen, und legen den Grundstock für Moral, Gesundheit und Spiritualität.
LITERATUR
- Antonow W.W. — Spirituelle Praktiken (Lehrhilfe). (In Russisch). Polus Verlag, SPB, 1998.
- Antonow W.W. — Ökologie des Menschen im multidimensionalen Raum. (In Russisch). Polus Verlag, SPB, 2000.
- Antonow W.W. — Unser Lebenssinn. (In Russisch). Reality Verlag, SPB, 2001.
“Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's. Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht.” (Luk 8,5-8).
Jesus Christus erzählte dieses Gleichnis seinen Schülern und erläuterte es, indem er den tiefgründigen Sinn des Samenbildes enthüllte: “ Der Same ist das Wort Gottes. Die aber auf dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Doch sie haben keine Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.” (Luk 8,11-15).
Wie wird das erwachsene Leben der Kinder, mit denen wir in Berührung kommen? Wird es ihnen gelingen, aus dem Informations- und Ereignisschwall um den Menschen herum mit Nutzen das Wahre auszuwählen?
Wenn ein guter Boden vorbereitet wurde, wenn in seiner Kindheit der Mensch reichhaltige Informationen über die Welt um ums herum erhielt und wenn dabei ein moralischer Grundstock gelegt wurde, dann wird sein spiritueller Weg weniger gewunden sein. Und wenn Erwachsene aufrichtig an einer glücklichen Zukunft der Kinder interessiert sind und nicht den materiellen Erfolg, sondern das getreuste Vorwärtskommen auf dem durch Gott vorgezeichneten Weg in dem Mittelpunkt stellen, dann sollten die Beziehungen zwischen ihnen und den Kindern im Einklang mit jenen Göttlichen Grundsätzen aufgebaut sein, die der Menschheit von Krishna, Gautama Buddha, Jesus Christus, Sathya Sai Baba, Babadschi und anderen Gesandten Gottes übermittelt wurden [1-7].
Der Selbstregulierungs-Kindergruppenunterricht nach den in den Artikeln von E.B.Ragimowa, T.Matjatkowa und M.K.Haschtschanskaja dargelegten Methodiken kann durch neutestamentliche Themen bereichert werden. Dies ist gut vereinbar mit den Grundsätzen, die von W.W.Antonow im Artikel “Grundprinzipien des Unterrichts psychischer Selbstregulierung an Kinder und Jugendliche — W.W.Antonow” dargelegt wurden.
Bereits im Leben von Jesus Christus, in Seinen Taten, Reden und Gleichnissen, sind die Antworten auf viele Fragen begründet, die bei den Menschen im Verlauf des Lebens entstehen. Viele Aspekte der Wechselbeziehungen des Menschen mit der materiellen Welt, mit anderen Menschen und mit Gott spiegeln sich in den Evangelien wider. Für den Lehrer ist es wichtig, jeweils das finden zu können, was zum gegebenen Zeitpunkt notwendig ist, und auch, mit Rücksicht auf das Alter des Kindes, auf äußere Umstände und die Tiefe seiner Wechselbeziehungen mit dem Kind die jeweils benötigte Information in der akzeptabelsten Form zu geben.
Am Beispiel des Lebens Jesu Christi kann man den von W.W.Antonow aufgezeigten Grundsatz verwirklichen: “Eine zielgerichtete ethische Arbeit... sollte bei den Lernenden einen Grundstein für Moral legen”.
Noch ein weiteres Prinzip aus diesem Artikel: “Der Schwerpunkt der Arbeit sollte... auf der Horizonterweiterung und einem umfassenden Informieren der Lernenden liegen, um ihnen bei der Wahl des Lebensweges im Erwachsenenalter zu helfen”.
Durch Verwendung der Evangelien kann man die den Kindern vermittelte Information noch erweitern und abwechslungsreicher gestalten.
Hierbei sollte alle Information altersgerecht dargebracht werden und nach Möglichkeit auch unter Einbeziehung der individuellen Besonderheiten eines jeden Kindes, um die intensivste und harmonischste Persönlichkeitsentfaltung in allen drei Hauptrichtungen zu erreichen: der intellektuellen, der ethischen und der psychoenergetischen [5].
Bei der Arbeit mit Kindern aller Altersgruppen ist zu bedenken, dass die Information auf eine unaufdringliche Art und Weise vermittelt werden soll. Wenn die Kinder das ihnen Mitgeteilte nicht annehmen, dann sollte versucht werden, die Ursache zu verstehen: Entweder wird die Information in allzu komplexer beziehungsweise in allzu vereinfachter Form angeboten, oder aber gestatten es die Wechselbeziehungen zwischen den Kindern und dem Lehrer nicht, auf einem Niveau der spirituellen Aufgeschlossenheit miteinander zu kommunizieren, das in der übermittelten Information gemeint ist.
Ein Misserfolg bei der Arbeit mit Kindern sollte als ein guter Anlass dafür aufgefasst werden, den ethischen, intellektuellen und psychoenergetischen Aspekt der Entwicklung des Lehrers selbst in Einklang zu bringen.
Betrachten wir nun einige Besonderheiten, die bei der Arbeit mit Kindern verschiedener Altersgruppen bemerkt wurden.
Kinder im Alter zwischen vier und sechs Jahren sind nicht daran interessiert, woher der eine oder andere Lebensgrundsatz stammt. Sie nehmen schlichtweg den sie umgebenden emotionalen Hintergrund wahr und verhalten sich dementsprechend. Wenn es die Liebe ist, welche das Kind so akzeptiert wie es ist, dann nimmt es diese Liebe in sich auf, und dies ermöglicht es, die ihm innewohnenden Fähigkeiten am vollsten zutage zu fördern, und schafft günstige Entwicklungsvoraussetzungen. Wenn das Kind hingegen keine Liebe empfängt und zusätzlich noch eine Zielscheibe negativer Emotionen ist, dann leidet es. Das Kind wird dann verschlossen oder aber umgekehrt, es benimmt sich herausfordernd.
Aus dem oben Gesagten geht hervor, dass es bei der Arbeit mit 4- bis 6-jährigen in erster Linie notwendig ist, eine Atmosphäre der Liebe zu schaffen, geprägt durch eine gleichberechtigte und ruhige Beziehung zu allen Kindern in der Gruppe, ungeachtet ihrer Vor- und Nachteile.
In diesem Alter sind die Kinder sehr empfänglich für die Idee des Einswerdens mit der ganzen Umwelt; sie empfinden sogar unbelebte Gegenstände als lebende Wesen und weisen diesen Charaktereigenschaften und Gewohnheiten zu. Deshalb sehen sie die Grundlagen der Umwelterziehung als etwas Selbstverständliches: “Es tut dem Baum weh, wenn man seine Zweige bricht”, “die Blume will nicht, dass man sie pflückt” — das ist für kleine Kinder sehr gut verständlich, man muss nur darauf Nachdruck legen.
Kinder zwischen 4 und 6 Jahren nehmen es auch gut auf, dass jedem Menschen die Göttliche Liebe zu Grunde liegt, die das Leben sowohl des Menschen selbst als auch das Leben seiner gesamten Umgebung erleuchten kann.
Der Sinn der Göttlichen Liebe kann den Kindern mithilfe der Bildvorstellung von einer lebenden kleinen Sonne beschrieben werden, die in jedem von uns lebt. Kleine Kinder können sich eine Sonne, die allen ihr zärtliches Licht schenkt, gut in ihrer Brust vorstellen; sie mögen es sehr, zu leuchten und diese Ausstrahlung zu schenken. Die Varianten können ganz verschieden sein: aus der Brust heraus leuchten, die Liebe und das Licht aus den Augen ergießen, mithilfe des Lächelns, mit Armen und Fingern leuchten und aus seinem ganzen Wesen heraus.
Beim Erzählen von Märchen und Geschichten kann man verschiedene schöne Parallelen und Redewendungen benutzen, die in den Evangelien vorkommen. Zum Beispiel der Vergleich guter Menschen zu Bäumen, die gute Früchte bringen.
Kinder zwischen dem 7. und 10. Lebensjahr haben bereits einige Lebenserfahrung gesammelt. Bis zu diesem Alter haben sich schon bestimmte Wechselbeziehungen mit der Umwelt herausgebildet. Wenn das Kind dabei in einer liebevollen Atmosphäre aufwuchs und ähnliche Kindergruppen besuchte, dann wird es der Aufnahme ethischer und moralischer Prinzipien, die im Alter von 7 bis 10 Jahren verstanden werden können, positiv und aufgeschlossen gegenüberstehen.
Wenn hingegen ein Kind vor dem Hintergrund dominierender negativer Emotionen aufwächst, dann entwickelt es bis zu diesem Alter eine abwehrende Haltung gegenüber der Welt, da diese sein natürliches Bedürfnis, geliebt zu werden, nicht befriedigt.
Die Symptome dieser “Abwehr” können ganz verschieden sein, von Apathie und einem Desinteresse für die Umgebung bis zu herausforderndem Verhalten (“Hyperkompensation” des Minderwertigkeitskomplexes).
Solche Kinder rufen ihrerseits bei den Erwachsenen um sie herum negative Emotionen hervor. Und das ist für die Kinder der Beweis dafür, das sie “schlecht” sind. Dies wiederum führt zu noch stärkerer “Abwehr” gegen die Umgebung, welche sie nicht nach ihrem inneren Wesen einschätzen will. So wächst der Druck zwischen Kindern und Erwachsenen immer weiter, wobei die einen Kinder in geringerem und andere in stärkerem Maße davon betroffen sind.
Im Gruppenunterricht der psychischen Selbstregulierung gilt es, diese Kette von “Abwehr — Reaktion der Erwachsenen — Abwehr” zu zerreißen. In jedem Kind muss man das Gute und Individuelle sehen können und ihm dabei helfen, diese Eigenschaften hinter der “Abwehrmaske” hervorzuholen.
Mitunter genügt es, das Kind ein Mal die eigene Meinung sagen zu lassen und seinen Worten zuzuhören —die “Klammer” geht dann auf, die “Maske” wird als unnötig fortgeworfen.
Wenn ein Kind bereits spürt, dass es sich sozial äußern kann und dass die Tatsache seiner Existenz für andere Menschen interessant ist, dann gewinnt es ein Interesse daran, von Erwachsenen neue Informationen zu erhalten. Um zusammen mit der Information, die das Horizont des Kindes erweitert, auch ein Grundstein für Moral gelegt wird, kann man sich Gleichnisse und Geschichten aus den Evangelien bedienen.
Das Leben eines Jugendkollektivs verläuft nach bestimmten Regeln. Zwischen den Kindern kommt es dauernd zu konfliktreichen Situationen. Wenn man diese Situationen nicht bloß “ausbügelt”, sondern den Kindern hilft, ruhig über ihre gegenseitigen Beziehungen klar zu werden und dabei evangelische Erzählungen und Gleichnisse nutzt, dann kann man ihre “Werteskala” ändern und sie dadurch sittlicher, gutherziger und ehrlicher werden lassen.
Mit 11 bis 14 Jahren stellen sich den Jugendlichen Fragen, auf die sie bislang keine Antworten erhalten konnten. Sie verfügen bereits über eine Auswahl von Verhaltensweisen, ihnen sind verschiedene Schattierungen der menschlichen Wechselbeziehungen bekannt, es hat sich bei ihnen schon ein bestimmter Selbstbezug gebildet, und nun kommt der Wunsch auf, die Prinzipien des Weltaufbaus zu erfahren. Auf der Grundlage ihrer Kenntnisse versuchen sie, die entstehenden Probleme zu lösen. Ein Gruppenunterricht kann ihnen helfen, ihr bisheriges Wissen zu ordnen, neue Informationen zu erhalten und Wahres vom Falschen zu unterscheiden.
Eine Einbeziehung neutestamentlicher Themen kann helfen, die laufenden Informationen auszuwerten, und zu lernen, sich selbst zu beherrschen und schwierige Lebensphasen durchzuhalten, die für jedermann im Verlauf des Lebens unvermeidlich sind.
Beim Unterricht mit Jugendlichen sollte die Kommunikation in Dialogform stattfinden. Jedem Jugendlichen muss ermöglicht werden, seine Meinung zu äußern. Dies wird jedem Mitglieder der Gruppe helfen, selbstbewusster zu werden, und sie werden lernen, sich gegenüber den Ansichten anderer Menschen respektvoll zu verhalten. Sehr wichtig ist es zu lehren, anderen Menschen das Recht auf eigene Meinung zu gewähren. Hierzu muss man Eigenschaften wie Geduld und Toleranz meistern.
Der Lehrer sollte jeden abgeschlossenen Unterricht analysieren und dabei versuchen, den Zustand und die Bedürfnisse aller Gruppenmitglieder zu verstehen. Dann werden die nachfolgenden Informationen in der geeignetsten Form vermittelt und den zum jeweiligen Zeitpunkt wichtigsten Sinngehalt mit sich bringen.
Die Themen der Gespräche und Meditationen können ganz verschiedenartig sein. Zum Beispiel das Thema Liebe: “Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt” (Mt 22,37), "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (Mt 22,39).
Man kann insbesondere Fragen ansprechen wie: “Warum sollte man alle Gebote befolgen?” oder: “Wer ist ein Nächster?”.
Es ist auch nutzbringend, das Gleichnis Jesu vom barmherzigen Samariter zu erzählen: “Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halbtot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit: als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme.” Luk 10,30-35). Dies bedeutet, dass ein Nächster nicht einer ist, der beispielsweise der selben Nationalität ist wie du, sondern jeder gutherzige Mensch.
Von hier aus kann man die Idee erweitern: ALLE Menschen sind Brüder und Schwestern, denn Gott liebt ALLE, und jeder hat in seinem Innern das Göttliche Licht — das Atman, den Heiligen Geist — welches in uns lebt.
Man kann jetzt gleich versuchen, durch Meditation die Quelle des Göttlichen Lichts in der Brust zu finden. Der Brustkasten ist die “Heimstätte” dieses Lichts — ursprünglich geschlossen, unter einem “Sack voll Kränkungen” und unter “Steinen des Neides” verschüttet, überflutet von einer schweren, schlammigen, schlechten Gesinnung. Wir wollen nun versuchen, die Verschüttung fortzuschaufeln, einen Durchgang zu der “Heimstätte” zu räumen und dem Göttlichen Licht der Liebe zum Durchbruch zu verhelfen. Wir fühlen, wie sich die Fenster dieses “Hauses” öffnen, frische Luft kommt herein, unser inneres Licht entbrennt stärker, es findet kaum noch Platz in der Brust, und es ergießt sich über alle um uns herum — Freunde und Bäume, Blumen und Vögel und in den umgebenden Raum. Und es schenkt allen Frieden, Freude und Liebe.
Denken wir nun an jemanden, der uns bis zu diesem Zeitpunkt durch irgend etwas unangenehm war. Wir sehen, dass er in seiner Brust dasselbe Licht hat, aber es ist noch eingesperrt. Wir fühlen Mitleid mit ihm, senden ihm einen kleinen Strahl unserer Liebe, gewinnen ihn lieb so wie er ist — gibt Gott doch jedem die Möglichkeit, besser zu werden, sich zu läutern.
Zu dem Meditationsthema passt die Frage des Apostels Petrus an Jesus Christus und Jesu Antwort: “ wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?” — “Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.” (Mt 18,21-22).
Ins Leben der Gruppe kann man allmählich die “Goldene Regel” einführen: “Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!” (Mt 7,12).
Sie kann helfen, entstehende Konfliktsituationen zu lösen und Entscheidungen zu treffen.
Die “Goldene Regel” kann auch als gesondertes Unterrichtsthema behandelt werden.
Zur Veranschaulichung kann man dem Matthäus-Evangelium die Geschichte vom König und Sklaven entnehmen: Der König erbarmte sich seines armen Sklaven und erließ ihm seine Schuld;