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Göttliche Gleichnisse/Symeon der Neue Theologe Symeon der Neue Theologe*Das Gleichnis über das Mönchtum und die stille MeditationLehre mich die Untrennbarkeit, mein Herr! Gebet gesprochen von Symeon Es gab einst einen jungen Mann. Seine Familie war reich und adelig. Er studierte erfolgreich verschiedene Wissenschaften. Alle erwarteten, dass er eine glänzende Karriere am kaiserlichen Hof machen würde… Doch sein Herzenswunsch war ein anderer. Er strebte weder nach Reichtum noch nach Ruhm und Ehre. Vielmehr dachte er oft über den Sinn des menschlichen Lebens nach, über Gott und darüber, wie man das göttliche Geheimnis der Existenz verstehen könne. Er bat seinen Vater um Erlaubnis, zurückgezogen in einem Kloster leben zu dürfen, um dort zu studieren und seine Seele zu reinigen. Der Vater war über diese Bitte sehr zornig. Er sagte zu ihm: „Du bist jung! Nur alte Menschen gehen ins Kloster, um um Vergebung zu bitten! Überlege es dir anders! Dir stehen alle anderen Wege offen!“ Der junge Mann antwortete: „Aber warum, Vater, meinst du, man müsse erst im Alter, kurz vor dem Tod, über Gott und den Sinn des Lebens nachdenken? Was, wenn mein Leben kurz ist und ich keine Zeit habe, herauszufinden, warum ich lebe? „Ich will den Sinn des Lebens und Gott verstehen — nicht wissen, wie man einem Herrscher oder Adeligen gefällt oder eine hohe Position erlangt! Ich will weder deinen Reichtum verzehnfachen noch verhundertfachen! „Ich habe Tote gesehen — junge und alte. Und dasselbe Schicksal erwartet alle Lebenden. Wenn man nicht weiß, warum man lebt — wie soll man dann Gott antworten, wenn die Zeit gekommen ist?“ Doch der Vater verbot ihm, ins Kloster zu gehen. Und der junge Mann gehorchte. Aber er blieb seinem inneren Suchen nach Gott und dem Sinn treu. Eines Tages ging er zu einem Älteren, dem Prior eines Klosters, der sehr geachtet war. Der junge Mann wurde von dem Älteren willkommen geheißen und erzählte ihm von seinem Wunsch, ins Kloster gehen zu wollen, und von der Einmischung seines Vaters. Der Ältere sah ihn freundlich an und sagte: „Warum willst du im Kloster leben, wenn das, was dich lockt, nicht weltliche Versuchungen sind, sondern die Liebe zum Herrn? Draußen in der Welt kannst du dasselbe tun wie im Kloster! „Ein wahrer Mönch versteckt sich nicht vor der Welt in einer dunklen Zelle, um nichts zu sehen oder zu hören. „Eine Seele verwirklicht sich vor Gott nicht durch das Leben innerhalb klösterlicher Mauern! „Ein Mönch ist jemand, der all seine Gedanken und Taten Gott widmet und darin leidenschaftlich danach strebt, die Seele vor dem Himmlischen Vater zu reinigen!“ Der junge Mann bat den Älteren, ihm zu zeigen, wie er wie ein Mönch leben könne — ohne der Welt den Rücken zu kehren: „Sag mir, wie soll ich leben? Wovon soll ich mich enthalten und wonach streben? Der Ältere antwortete: „Verzichte auf alles Schlechte! Und wenn du nicht weißt, was schlecht ist, frage dein Gewissen — es täuscht dich nie! „Verzichte auf Faulheit und Wut! „Verzichte auf unnütze Gespräche! Sprich kein Wort umsonst! Zügele deine Rede durch Schweigen! „Beleidige niemanden! „Und lass‘ dich nicht beleidigen! „Wenn andere ungerecht zu dir sind, vergib ihnen! Sei demütig und bitte um Verzeihung, besonders wenn du selbst im Unrecht warst! „Jesus lehrte, unseren Nächsten zu lieben — versuche, das praktisch umzusetzen! „Das ist genug für den Anfang.“ Da fragte der junge Mann weiter: „Und wie soll ich beten? Ich weiß, dass Mönche täglich vor dem Himmlischen Vater beten und dadurch Gnade empfangen!“ Der Ältere erwiderte: „Wenn du immer in der Präsenz Gottes sein willst, dann lehre ich dich eine stille Meditation, die du jederzeit praktizieren kannst. „Du musst lernen, in der Stille deines spirituellen Herzens zu bleiben. Nicht vor einem Heiligenbild, sondern in deinem Herzen entzündet sich die Lampe der Liebe zum Himmlischen Vater. Und lasse das Feuer der Liebe stets in der Stille deines spirituellen Herzens leuchten! „Was immer du tust, tue es geduldig und mit Fleiß — und unterbrich deine stille Meditation nicht!“ Der junge Mann begann zu versuchen, das zu tun, was der Ältere ihm gesagt hatte. Und es stellte sich heraus, dass es… gar nicht so einfach war! Manchmal bemerkte er in sich selbst die Schatten von Verärgerung oder Zorn, die er nicht rechtzeitig zurückhalten konnte… Manchmal stellte er fest, dass er unnötige Worte unbedacht oder unpassend aussprach… Manchmal fühlte er sich verletzt, wenn andere ungerecht zu ihm waren… Manchmal erkannte er seine eigene Trägheit oder vergaß seine stille Meditation… Aber er hörte nicht auf, an sich als Seele zu arbeiten. Bald veränderte sich sein Denken und Handeln merklich. Seine stille Meditation leuchtete mit innerer Freude! Und seine Anstrengungen hielten die Flamme der Seelenliebe lebendig. Und von da an strahlte die für Gott entzündete Lampe in seiner Seele ohne Unterbrechungen!“ Als er erneut zum Älteren ging, sagte er: „Ich fühle mich so wohl durch die stille Meditation — es ist, als ob Gott selbst sie beobachtet!“ „Warum glaubst du, dass Er nicht zusieht?“ — fragte ihn der Ältere. — „Gott sieht und weiß alles: jeden Gedanken und jede Handlung eines jeden von uns! In dem Augenblick, in dem du an Gott denkst, ist Er bereit, dir mit einer Antwort zur Seite zu stehen. So ist es, denn Er ist immer überall! Und deine stille Meditation gefältt ihm, denn in dieser Meditation willst du nichts für dich selbst, sondern nur den Herrn verherrlichen und Ihm danken!“ Der junge Mann veränderte sich so sehr in so kurzer Zeit, dass sein Vater letztlich nachgab und ihm erlaubte, zum weisen Alten ins Kloster zu gehen, um von ihm zu lernen. * * * Der Alte lehrte ihn weiter: „Du hast die erste stille Meditation — die Herz-Meditation — gelernt. Nun folgt die zweite stille Meditation, die im Einswerden der Seele mit dem Heiligen Geist besteht.“ Er führte ihn zum Tempel, wo Sonnenstrahlen durch die Fenster einfielen, und sagte: „Sieh: Dieses Sonnenlicht ist wie das göttliche Licht, das vom Vater ausgeht! „Der menschliche Körper ist ein Tempel und Gott ist das Licht! Deshalb solltest du deinen Seelentempel mit dem Lichtstrom der göttlichen Liebe füllen! “Was ist dieses Licht? Was ist sein Wesen? Dieses Licht ist Liebe. Es geht vom Himmlischen Vater aus. Und das Tor für dieses Licht ist das spirituelle Herz, das du durch die erste Meditation geöffnet hast.“ Der junge Mann fühlte, dass dieses Licht… lebendig war und dass dieses Licht der Fluss von Gottes Liebe war! Und in diesem Licht berührte er die Große Reinheit! Für einen Augenblick wurde er Eins mit diesem Licht!… * * * Eine lange Zeit verging, und der junge Mann übte weiterhin die zweite stille Meditation. Doch er konnte das göttliche Licht nicht noch einmal empfangen, bis er erkannte hatte: Nur wer selbst zu dieser Liebe geworden ist — rein, zart und gebend — kann mit dem Fluss von Gottes Liebe verschmelzen! Ähnliches kann nur mit Ähnlichem verschmelzen! * * * Aber während seiner Zeit im Kloster, sah der junge Mann, dass dort diesselben Dinge geschahen wie draußen in der Welt: Zorn, Groll, Eitelkeit und Neid … Er bemerkte bei anderen Mönchen jene Dinge, die er für einen Mönch als unzulässig ansah. Und seine Verwirrung wuchs von Tag zu Tag! Er fragte den Älteren, wie er das, was er sah, nicht verurteilen, sondern wie er helfen könne. Der Ältere erklärte ihm: „Was sind Mönche? Ein Mönch ist einer, der all seine Gedanken und seine gesamte Seele Gott widmet! Die Seele kann jedoch nicht sofort alle schweren Schichten ablegen, die sich im Laufe vieler Jahre angesammelt haben. Diese Schichten trüben die Augen und Ohren der Seele, überdecken Wunden und Mängel und lähmen sie. Das führt dazu, dass eine Seele das Licht des Herrn nicht sehen und fühlen kann! „Es ist nicht leicht, diese Schichten abzulegen. Deshalb können die Seelen nicht schnell gereinigt und geheilt werden!“ “Wer diese Schichten und Fehler ohne Verurteilung erkennen kann, wird zum Seelenheiler. “Ich werde dich zum Prior des Klosters ernennen — ich muss bald gehen… Du bist jung, aber deine Reinheit und Aufrichtigkeit vor dem Himmlischen Vater garantieren, dass du dich besser um die Seelen in diesem Haus des Herrn kümmern wirst als andere. Du kannst jenen helfen, die danach streben, sich als Seelen zu reinigen und den Himmlischen Vater zu lieben!“ „Wenn du siehst, dass du wenigstens eine schwere Hülle von der Seele entfernen kannst, eine ihrer Wunden heilen oder einen ihrer Mängel berichtigen kannst — so tue es zur Ehre des Herrn! Von nun an wird dies deine Hauptaufgabe sein! „Lehre die weltlichen Menschen, in Frieden und Liebe zu leben und die anderen Gebote Jesu einzuhalten. „Lehre die Mönche, sich selbst als Seelen vor Gott zu erfahren. „Du selbst wirst nur Weisheit erlangen, wenn du anderen Menschen dabei hilfst, Reinheit der Seele vor Gott zu erlangen. „Du sollst lernen, nicht zu verurteilen, sondern in den Seelen ein bewusstes Streben zu erwecken, die Laster abzulegen. „Der Herr wird dir immer sagen, welches Heilmittel du jeder Seele verschreiben sollst! Und der Alte schwieg … Aber der junge Mann wagte zu fragen: „Du hast mir gesagt, dass es eine dritte stille Meditation gibt … Bitte, erzähle mir davon!“ „Die dritte Meditation wirst du erkennen, wenn du dich selbst aufgibst …“ * * * Und der Alte ging fort. Der junge Mann wurde Prior des Klosters. Und wegen der großen Verantwortung fragte er stets Gott, wie er handeln solle. Und er begann, die Ratschläge Gottes zu hören und das Göttliche Licht zu sehen — wie die Sonne! Der Heilige Geist begann durch ihn zu strömen — und seine Worte und Taten wurden mit Weisheit angereichert. Und von jenem Moment an wurde die zweite stille Meditation zu seinem Wesen, denn der Heilige Geist war in ihm, sprach und handelte durch ihn. * * * Die Zeit verging … Er half vielen Menschen dabei, die schweren Schichten, die ihre Seelen erdrückten, sie vom Licht abschirmten und ihnen den Atem nahmen, abzulegen … Er heilte viele Seelenwunden und lehrte die Menschen, wie sie die Mängel der Seelen korrigieren konnten. … Zu jener Zeit starb sein Vater, und der junge Mann erbte den ganzen Besitz. Doch er gab den Reichtum seines Vaters nicht dem Kloster, wie viele Mönche es sich erträumt hatten… Und er schmückte auch nicht die Ikonen und die Innenräume des Tempels mit Gold und Edelsteinen… Stattdessen eröffnete er eine Schule für Kinder, ein Krankenhaus und ein Heim für einsame alte Menschen… Und es gab Mönche, die damit nicht zufrieden waren. Diese Mönche lebten im Kloster wie in der Welt: Sie strebten nach Stellung und Rang, nach der Gunst mächtiger Leute und nach der Achtung ihrer Untergebenen… Aber sie bemühten sich nicht, sich selbst als Seelen von schweren Schichten und schrecklichen Lastern zu befreien… Sie beschlossen, ihren Prior aus dem Kloster zu vertreiben… Sie verfassten einen Bericht, in dem sie behaupteten, ihr Pior sei von bösen Geistern besessen, weil er das Licht Gottes im Sonnenlicht gesehen, Empfehlungen vom Heiligen Geist gehört, Weisung von Gott empfangen und ihm selbst verfasste Hymnen gewidmet habe — und das alles bei fehlendem Verstand! So wurde er aus dem Kloster verstoßen… Er legte seine Priorengewänder ab und ging er fort — mit nichts weiter der zweiten stillen Meditation, die er gemeistert hatte. * * * Und als er durch das Tor des Klosters ging — gealtert und mit grauen Haaren — fragten ihn die Menschen: „Wer bist du?“ Und er antwortete: „Gottes Mönch.“ So ging er an die Meeresküste, fand eine abgelegene Höhle im Gebirge und begann dort zu leben. Und er sah Gott! Und er hörte Gott! Und Gott war immer bei ihm! Und der Mönch Gottes war nur bei Gott! Und als er das Licht des Heiligen Geistes nicht mehr verließ — öffnete ihm der Himmlische Vater die Tore Seiner Heiligen Stätte! Und die Seele legte die Gewänder Christi an. In diesem Moment erkannte er die dritte stille Meditation, denn es gab für ihn nichts mehr außer Gott! Allein Gott war Alles und überall! Ja, nun lebte Gott in dem Mönch und tat durch ihn all das, was Er tun musste… Und die Zeichen der Liebe Gottes erschienen um den Mönch herum… Und die Menschen begannen, ihn den Heiligen Alten zu nennen. Und so viele Pilger versammelten sich um ihn, dass man in der Nähe seiner Höhle ein neues Kloster errichtete. Und der Alte verweigerte niemals Rat und Hilfe. * * * Eines Tages kam ein junger Mann zu ihm und fragte: „Sage mir, weiser Alter, wofür hast du dein Leben gelebt?“ Und der Alte antwortete: „Zuerst habe ich gelebt, um die Liebe des Herzens zu erkennen. Dann habe ich gelebt, um den Menschen Liebe zu schenken, sie zu lehren zu lieben, damit sie von unserem Schöpfer lernen können, was Fürsorge ist. Und jetzt lebt Gott in mir, und ich lebe in Ihm. Und all meine Taten — sind seine Taten.“ Der junge Mann sagte: „Lehre mich, so zu leben!“ Und der Alte begann, ihm von der ersten stillen Meditation zu erzählen…
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